Umkehrprinzip

Stillhalten, wenn es weh tut. *Vogelzeig*

Das wird in Zukunft meine LETZTE Wahl sein.

Eine Weile vor meinem Halbmarathon und danach habe ich das Krafttraining ausgesetzt, weil ich dachte, der Laufplan fordert mich schon genug und das ungewohnte Tempotraining bescherte mir seit Juli einen gefühlten Dauermuskelkater im Allerwertesten.

Nach dem Halbmarathon mache ich natürlich langsam und ganz wenig, weil man das eben so macht. Erst vier Tage danach schnüre ich das erste Mal wieder für eine kleine 7km-Runde die Schuhe.  Ich laufe nicht über eine Stunde am Stück und ganz ganz langsam.

Eineinhalb Wochen später sind der Muskelkater und das Geknarze weg, aber ein komisches Gefühl im Knie bleibt. Ich mache weiterhin nur Läufe von 5-8 km und nur 2-3  Mal die Woche. Das entspricht etwa einem Drittel meines üblichen Wochenpensums.

Mittlerweile zieht „das Knie“ bis in den Oberschenkel. Es schmerzt nicht, fühlt sich aber dauerhaft so an, wie wenn man sich den Musikantenknochen gestoßen hat.

Ich fange an zu dehnen, was sich gut anfühlt, die Beschwerden aber auch nicht dauerhaft fernhält.

Da ich nicht unvernünftig sein möchte, versuche ich es schweren Herzens und giftspeienden Gemüts auch einmal mit einer völligen Laufpause und halte eine Woche lang die Füße still, obwohl ich so gern laufen möchte und die Hufe scharren.

Es wird dennoch nicht besser und ich wechsele selbst auf der Arbeit ständig die Bürostuhlposition, weil das Sitzen unangenehm ist.

Etwas verunsichert, wie ich mich jetzt weiter verhalten soll, mache ich einen Termin beim Orthopäden.

Der untersucht mein Fahrgestell genauestens und kann mir zumindest versichern, daß es keine Sehne, kein Knochen, kein Gelenk und kein Riß ist. Das reicht mir, um endlich das zu tun, wonach ich mich fühle: Laufen!

Alle Tempi, die ich zur Verfügung habe, laufprobiere ich durch, also von 8min/km bis 5min/km. Währenddessen merke ich gar nichts von dem Bein. Null! Danach ist es weder besser noch schlechter.

Am nächsten Tag wage ich mich das erste Mal wieder ins Fitnesstudio. Und siehe da, nach dem Kraftprogramm für die Beine ist das Bein nur noch mein linkes Bein und kein Störenfried mehr; ganz plötzlich. Auch zwei Tage und ein weiterer Lauf danach-alles gut.

Diese ganze „Aktion“ zeigt mir doch ganz eindeutig, daß mir mein Körper vorgibt, was er für angebracht hält.

Wenn ich mich einmal so gar nicht aufraffen kann, dann sollte ich es auch lassen. Es hat sich bisher meistens gezeigt, daß es nicht allein Lustlosigkeit war, sondern ich brauchte Ruhe. Umgekehrt heißt das für mich aber auch, daß ich mir ruhig vertrauen kann, wenn jede Faser in mir laufen möchte.

Und deshalb werden morgen endlich mal wieder meine grünen Flitzer ausgeführt, weil ich da sowas von Bock drauf habe! 😀

20 Responses to “Umkehrprinzip”

  • Steffen sagt:

    Was soll ich dazu noch sagen – ich gebe dir in allen Punkten uneingeschränkt recht. Und wieder hast du eine riesen Portion dazu gelernt.

    Ich sehe schon – der Halbmarathon in Neuwied war nur der Anfang, nur von was….ich ahne es schon!!!

    Ganz liebe Grüße und vor allem viel Spaß beim LAUFEN,
    Steffen

    Evchen Antwort vom Oktober 26th, 2010 12:48:

    Mein lieber Steffen,

    so ganz allmählich habe ich ein Gefühl dafür, was mir gut tut und was nicht und es ist eben nicht immer automatisch das Richtige, einen Gang rauszunehmen. Hoffentlich habe ich das Selbstvertrauen, in Zukunft auch mal etwas zu „wagen“, wenn ich spüre, daß es mir hilft.
    Dir auch viel Spaß beim Laufen, denn ich bin sicher, daß Du heute noch die Schuhe schnürst. 😉

    Steffen Antwort vom Oktober 27th, 2010 10:25:

    Du kennst meine Ansicht – wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Nur wenn du eine Grenze überschreitest weißt du, wie es jenseits dieser ist.

    Also, sei frohen Mutes und riskier was!!!

    Evchen Antwort vom Oktober 27th, 2010 11:08:

    So wird`s gemacht! Brav sein und ab und an mal die Zehenspitze vorstrecken, um zu sehen, ob das Wasser weiter draußen die gleiche Temperatur hat. 😉

  • Feuerpferdle sagt:

    An den wenigen Tagen, an denen ich keine Lust aufs Laufen verspüre, einfach, weil ich mich total schachmatt fühle, lasse ich es mittlerweile auch einfach gut sein…
    Einfach ein wenig auf seinen Körper hören – nur muss ich es in den nächsten Tagen dringend auf die Reihe bekommen, mich auch mal wieder in der Muckibude zu beschäftigen… 😉
    War halt ein wenig viel in den letzten Wochen… 😉

    Evchen Antwort vom Oktober 26th, 2010 13:00:

    Das Wichtigste ist ja schon mal, das an- und zu erkennen und nicht weiter auf 200% durch den Alltag zu rennen. Denn das rächt sich irgendwann. Muckibude läßt zwar keine Gramm schwinden, aber immerhin schwindet der Speck. 😉

  • ultraistgut sagt:

    “ Diese ganze “Aktion” zeigt mir doch ganz eindeutig, daß mir mein Körper vorgibt, was er für angebracht hält.“

    Herzlichen Glückwunsch zu dieser Einsicht, ein Beweis dafür, dass er nicht alles mit sich machen lässt, was sein Kopf und auch die manchmal die Köpfe anderer ihm aufdrängen wollen, die einen lernen es rechtzeitig, die anderen später und viele nie, umso besser, dass du auf den Trichter gekommen bist, es wird nicht das letzte Mal sein, dass er dich in seine Schranken verweist.

    Mein Rat – schon wieder !!!!! – lass dir Zeit – alle Zeit der Welt, nur so wirst du eine Chance haben, auf längere Zeit verletzungsfrei zu bleiben, mache dich nicht abhängig von irgendwelchen Plänen und Druck von außen, das mag er nicht, wie er es dir bereits zu verstehen gegeben hat.

    Evchen Antwort vom Oktober 26th, 2010 12:41:

    Umgekehrt, meine Liebe. 😉 Ich hätte laufen sollen und habe auf die vorsichtigen Stimmen, statt auf mich und mein Bauchgefühl gehört. So herum kann es auch mal schief gehen, denn hätte ich das gemacht, wonach ich mich fühlte, hätte ich keine drei Wochen und keinen Arzt gebraucht.

    ultraistgut Antwort vom Oktober 26th, 2010 16:56:

    Bist du sicher ? ❓

    Evchen Antwort vom Oktober 27th, 2010 09:03:

    In DIESEM EINEN Fall: absolut.
    Und das will lediglich meinen, daß manchmal auch die (weitere) Bewegung anstelle von Ruhe der Schlüssel ist. Manchmal, nicht immer!

  • Hannes sagt:

    Grüne Flitzer, grüne Flitzer, grüne Flitzzzzäääääääähr!

    Schmerzhafte Erfahrungen muss ja fast jeder Läufer irgendwann machen. Dass du aber deine so schnell abhakst und mit ihnen „fertig wirst“, um deine (richtigen) Schlüsse daraus zu ziehen, das beeindruckt schon ein wenig.

    Genießen und rennen, was die Beine halten, solange der Körper es will und du nicht vor Schmerzen weinst 🙂

    Evchen Antwort vom Oktober 27th, 2010 09:07:

    Wie ich darf nicht weinen? Was ist das denn für ein Weicheisport?? *giggel*

  • Genauso isses! Ich habe allerdings Jahre dazu benötigt um diese so einfachen Spielregeln zu begreifen!

    Evchen Antwort vom Oktober 27th, 2010 09:10:

    Aber Du hattest sicher nicht die virtuelle Unterstützung von einigen lauferfahrenen Menschen, die Dir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen. 😉 Dafür bin ich sehr dankbar, da es zumindest die gröbsten Fehler vermeidet!

  • Nordläufer sagt:

    Es ist natürlich nicht so einfach (und für einen relativ unerfahrenen Läufer im Besonderen) die Balance zu finden zwischen dem, was noch geht und dem Moment, wo eine Pause gut tut. Da ist es im Zweifel sicher richtig, die Pause zu empfehlen. Aber man kann sich auch zu Tode schonen und wer will das schon 😉

    Mit der Zeit merkt man, was noch geht, welcher „Schmerz“ ungefährlich ist und wann man ein wenig kürzer treten sollte. Das Gefühl dafür bekommt man natürlich nur, wenn man auch mal eine Grenze überschreitet.

    Papa Greif empfieht übrigens am Tag nach einem 35 km Lauf mit 15 km im MRT ein 10 km Läufchen, um leise vor sich hin zu weinen 😉

    Evchen Antwort vom Oktober 27th, 2010 09:17:

    …um leise vor sich hin zu weinen. *muahaha*
    Das probiere ich mal; glaube ich.

  • Supermario72 sagt:

    Ja – unser Körper – dieses geniale, aber auch oftmals rätselhafte Ding! Warum kann er uns nicht einfach klipp und klar sagen, was er heute mit uns tun möchte!? Obwohl – in den meisten Fällen tut er das ja – wir haben nur noch nicht gelernt oder bereits verlernt zuzuhören.

    Ich kenne solche Situationen, wie Du sie beschrieben hast, auch zur genüge. Dann stehst Du vor Deinen Laufsachen und fragst Dich: „Soll ich oder soll ich nicht?“. Hier können Dir dann wirklich nur langjährige sportliche Erfahrungen weiterhelfen. Ich denke, oft möchte uns Sportlern unser Körper einfach nur sagen: „Ich will ja mit Dir Sport treiben. Ich will auch mit Dir laufen. Aber bitte – sei doch nicht so stur und gönn‘ mir ab zu auch mal eine Pause! Ich bin doch keine Maschine! Sonst tust Du mir weh! Und dann tue ich Dir weh!“. 😉

    Bleib dran …. !

    Grüße aus „Kölle“
    Mario

    Evchen Antwort vom Oktober 28th, 2010 15:45:

    Und man fragt sich immer: Ist das gerade Unlust oder Vernunft? Ist das gerade Unvernunft oder sollte ich? Es nervt, sich so oft hinterfragen zu müssen, aber es bringt unbestreitbar etwas, auch für die Zukunft. Solange nicht mehrere Stimmen mit einem sprechen, ist das wohl auch normal. 😉

  • Das ist alles so ein schmaler Gard was richtig und was weniger richtig ist … wenn Du für Dich herausfinden kannst was wann richtig ist, dann ist das sehr serh genial (und ich bin neidisch weil ich das nicht immer wirklich weiß…)

    Dann lass die grünen Schühchen fliegen und habe Spaß!!!

    Evchen Antwort vom Oktober 28th, 2010 15:48:

    Habsch gemacht, also Schühchen fliegen lassen. 😉
    Ich weiß in vielen Dingen nicht, was gut für mich ist und die, bei denen ich mir mittlerweile sicher bin, werden nahtlos durch genügend neue ersetzt. Wer? Wie? Was?…. Wieso? Weshalb? Warum? *träller*

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