Neuwieder Deichlauf-mein Laufdebüt

Eigentlich wollte ich hier noch etwas darüber schreiben, wie es mir vor dem Lauf ergangen ist. Aber darüber habe ich mich bereits in den vorherigen Artikeln ausgelassen und jetzt, am Morgen nach dem Lauf, erscheint mir das auch nicht mehr wichtig. Es ging (mir) eben irgendwie (schlecht) und ich stand später am Start, also… 😉

Mein Freund setzt Torsten und mich an der Strecke ab, damit wir uns schon mal um unsere Startnummern kümmern können und sucht selbst noch nach einer Parke.

Mein erster Eindruck: „Eiderdaus, is hier viel los. Wo is `en hier jetz wad?“ Ich bin ja nicht wirklich schüchtern, also frage ich einfach mal jemanden, wo denn hier die Startnummernausgabe ist. Der schickt uns natürlich erstmal in die völlig falsche Richtung. Findet sich aber dennoch alles.

An der Ausgabe angekommen, kommt uns zufällig mein lieber marathonlaufender Nachbar (der hat mir die Flause von wegen „Wettkampf“ überhaupt erst in den Kopf gesetzt) entgegen und alles ist gut! Er nimmt uns im wörtlichen Sinne direkt ans Händchen. Sagt erst mal:“ So, unter uns Läufern duzt man sich…“ 🙂 Dank seiner Hilfe sind wir binnen Kürzestem mit allem Wichtigen versorgt. Klein-Eva versucht sich dann die Startnummer am Shirt festzumachen. Das dauert eine gefühlte Ewigkeit und ich witzele noch kurz:“ Die Hände dürfen ruhig zittern, solange die Knie tun, was ich will.“

Jetzt haben wir noch eine gute Stunde bis zum Start. Wir schlendern ein wenig rum, feuern die 5km-Läufer an, Christian (mein Freund) schießt die ersten Fotos. Vom Nachbarn hole ich mir noch ein paar Tips, lasse mich beruhigen (soweit möglich) und motivieren.

Dann ist es allmählich so weit. Wir stellen uns auf, natürlich gaaanz hinten. Sortieren uns, schauen uns um, wollen gerade noch ein wenig nach vorne gehen, weil das Feld doch noch recht weitläufig ist und „Peng“! Der Startschuß! Uffz! Und wir stehen noch. Als noch. Immer noch. Langsam kommen die Läufer direkt vor uns in Bewegung. Und wir dann mit. Und ich laufe. Ach Du Schande! Waha!!!! In dem Moment bin ich so reizüberflutet, daß ich echt keinen einzelnen Gedanken fassen und sortieren kann.

Nach ein paar hundert Metern beginnt sich das Feld auseinander zu ziehen. Torsten is weg. Ich bin „allein“. Ich merke, daß nur zwei-drei Schrittlängen hinter mir zwei Damen nebeneinander traben und sich noch unterhalten. Ratter ratter…. „Eva, Du sollst am Anfang zart machen. Nicht rennen! Bloß nicht!!“ Ok, Offensive. Ich drehe mich um und frage die beiden Frauen, was sie für eine Zeit angepeilt haben. Sie sagen mir, daß sie einfach ganz locker mitkommen wollen. Was auch immer das heißt, aber unser Tempo ist gerade sehr ähnlich und ich darf (hab höflich gefragt, ob das ok sei ;-)) mich an sie ranhängen. Das hilft mir.

Mit uns im Pulk ist noch eine andere Frau. Ich katalogisiere sie direkt als meine Altersklasse. Sie sieht ein wenig verbissen, aber nicht unsympathisch aus. Das nehme ich erstmal neutral zur Kenntnis. So tackern wir die ersten drei Kilometer durch. Bei km 3 laufe ich unten am Deich, der km 4 ist parallel dazu auf dem Deich. Da sehe ich Torsten und meinen Nachbarn schon in die andere Richtung laufen. Wir winken uns und der Nachbar ruft mir zu:“Du machst das ganz toll, Eva.“ Ich hab Pipi in den Augen. Jetzt gerade beim Schreiben schon wieder. Mmpf.

Das Mädel aus meiner Altersklasse setzt sich allmählich von uns dreien ab. Bis km 4-4,5 ca. hat sie schon einen hübschen Vorsprung von ca. 100-150m. Bei der ersten Trinkstation setze ich mich dann auch von den beiden Frauen ab, weil ich noch nichts trinken wollte und sie dafür langsamer machten. Also laufe ich auf dem Deich wieder allein. Jetzt ist das aber ok. Ich horche in mich rein, kontrolliere meine Zeit: es geht mir richtig gut.

Als ich den Deich runter schaue, kommt da ein Mann angelaufen, auch völlig allein und ich muß mir einen Moment nehmen und ihn bewundern. Es ist der spätere Sieger. Er ist gerade bei km 8 und ich bei 4. Er läuft so herrlich! Wow! Riesenschritte, alles sieht so harmonisch aus. Ein wunderschöner Anblick.

Jetzt kommt langsam wieder die Zielgerade in Blick. Ich will mich dann doch nicht vom Sieger überrunden lassen. Nein, ich bin vorher in Runde zwei! Pah! Also dosiere ich ein klitzeklein wenig mehr. 5km in 32:26. Auf der Zielgeraden nehme ich mir einen Becher Wasser(von dem Wasser kam quasi nix in meinem Mund an, aber egal), lächle in Christians Kamera, lasse mich von den Zuschauern anfeuern und merke gar nicht, daß ich an DER Frau (meine AK) vorbeiziehe. Aus dem Tumult raus besinne ich mich und mache wieder langsamer.

Tacker tacker…tacker tacker…

Irgendwo an der Strecke sehe ich nochmal Christian stehen und mich fotografieren. Neben ihm mein bester Freund Sven, der extra nach seiner Spätschicht bis 20 Uhr noch gekommen ist, um mich zu sehen, obwohl er vom Laufen ohne Ball grad mal gar nix hält. *schnief*

Christian läuft ein paar Meter neben mir her, murmelt beruhigende, motivierende Worte. Und weiter…

Bei km 8 sehe ich wieder die Vorhut auf dem Deich. *genier* In einem Anflug von…pff… reiße ich die Arme hoch und brülle Torsten und dem Nachbarn zu: „ Ich halte durch, ich komme an!“ Oder so ähnlich. *kopfkratz*

Bei der nächsten Wende hasche ich mal kurz hinter mich und sehe SIE, immer noch gut hinter mir. Vor mir ist ein älterer Herr, an den ich mich nach und nach heran taste. Km 9! Ich prüfe wieder meine Zeit, alles fein. Kurze Überlegung. Ok, ich hab noch ein klein wenig Luft übrig. Also mache ich nicht direkt schneller, aber laaaange Beine (Julia, den Gedankentip hab ich von Dir übernommen, danke dafür. :-)). Das klappt und ich ziehe ungefähr bei km 9,5 an dem Herrn vorbei. Zielgerade. Sch…der Hund drauf, ich will jetzt rennen!

Christian ist die letzten Meter neben mir und ich ziehe durch und es macht „Möp“ und ich bin da!

Meine persönliche Egopraline neben ankommen und durchhalten war natürlich, daß ich nicht Letzte meiner Altersklasse bin. *schelm*

Ich nutze dann hier den Bericht auch mal zum Danke sagen:

Ohne den Blog und die Unterstützung, die ich durch euch erfahren habe, hätte ich das gestern nicht geschafft. Ehrlich. Vielen lieben Dank dafür! 🙂

Und special-superduper-ober-mega-hyper Danke an meinen Schatz Christian, Torsten, den Nachbarn, Sven und alle, die mir gestern beim Lauf auch nur einmal zugelächelt haben!

So, jetzt habe ich also mein Couchpotatoe-Trauma überwunden. Ab jetzt wird gelaufen! *lautlach*

P.S.: Fotos folgen.

17 Responses to “Neuwieder Deichlauf-mein Laufdebüt”

  • Hannes sagt:

    Ein schöner Bericht, Eva. Noch einmal herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Zieleinlauf! Du hast scheinbar alles richtig gemacht. Nicht oft passiert es, dass Anfänger sich beim ersten Zehner auf der ersten Hälfte so gut fühlen und auch noch kurz vor dem Ziel in bester Stimmung sind. Die anderen haben dir scheinbar oft genug gesagt, dass du langsam starten sollst. Das hast du gemacht und es hat sich am Ende ausgezahlt. SUPER!

  • Schöner Bericht, Eva. Und brav. alles, was die Profis Dir eingeflüstert habe, hast Du beherzigt. Ich wünschte, mein erster 10er wäre so glatt gelaufen. Und wenn ich das so lese, hast Du Dich ja gar nicht mal richtig quälen müssen. Beim nächsten mal ist also mehr drin 😉

  • Ein Stück bin ich eben wirklich mit gelaufen und ein Stück habe ich Deinen wunderbaren Bericht gelesen … das klingt gut und so vieles kann ich so nachfühlen …
    Liebe Eva, gut gemacht und Spaß gehabt – großes Lob und ein dickes Dauergrinsen 🙂

  • Gerd sagt:

    Das hast Du einfach nur gut gemacht. 😀
    Und infiziert bist Du jetzt auch. Da kannst Du ja fürs nächste Jahr deinen ersten Halbmarathon planen. Dann gibt´s erst richtig viel Spaß! 😉

  • Simone sagt:

    Hi Eva, echt klasse Bericht und super, wie du das hingekriegt hast. Kannst zu recht total stolz auf dich sein. Weiter so und noch viele, viele solcher toll geschriebenen Berichte.

  • ultraistgut sagt:

    Liebe Eva,

    schade, dass es hier keinen klatschenden Smiley gibt. Herzlichen Glückwunsch, das hast du sehr gut gemacht, und du kannst mächtig stolz auf dich sein für den ersten 10-er nach so kurzer Zeit, was ich dir eher nicht empfohlen hätte, aber, du hast es uns allen gezeigt.

    Erhole dich gut, lass dir und deinem Körper Zeit, sich zu regenerieren, damit keine Verletzungen folgen.

    Und somit wirst du ein wunderschönes Pfingst-Wochenende haben ! :cool::cool:

  • Kai sagt:

    Liebe Eva,
    ich gratuliere gaaaaaaaaaaaaanz herzlich. Toll wie vernünftig und souverän du das gemeistert hast. Ich bin stolz auf dich. Da hast du dir aber für Pfingsten einen riesigen Eisbecher verdient.

    Schöne Feiertage wünsch ich dir
    Gruß
    Kai

  • Eva sagt:

    @all: Danke für die lieben Glückwünsche! Ich leihe mir hier mal Kais Worte: Bloggen ist geil! *lach*
    In nur sechs Wochen Laufen einen 10er durchzustehen, das hat ehrlich nur geklappt, weil ihr mir so gute Tips gegeben habt. Langsam machen, ein konstantes Tempo und nur am Schluß, wenn noch Luft übrig ist, Gas geben… Ohne euch wäre das eine Bruchlandung geworden.

    @Hannes: Die ersten km hat vor allem die „Fersengucktaktik“ funktioniert. Stupides Glotzen und (noch) nicht nachdenken. 😉

    @Lars: Das dachte ich hinterher auch. Aber das Quälen hebe ich mir dann für meinen dritten oder vierten Lauf auf. *glux*

    @Julia: Ich grinse immer noch dauer! :mrgreen: Laaaaaange Beine…. *lol* Daß so eine Kleinigkeit mir helfen konnte…ts. 🙂

    @Gerd: Spaß oder selbstherbeigeführtes Leiden? *schmunzel* Wir werden sehen, aber die Distanz 20km+ reizt mich ansich schon. Ich tacker jetzt einfach mal brav weiter und schau mal, wohin ich damit komme. Ab der km-Markierung 9 hab ich an Dich kranken Schnuffel gedacht!

    @Simone: Klar! Wenn sich nochmal ein Läufchen ergibt, bin ich dabei. Und Schreiben tu ich eh gern. 😉

    @Margitta: Vor Allem habe ich mir gezeigt: Ich kann! 🙂 Das war lange nicht nur aus sportlicher Sicht sehr wichtig für mich. Vielleicht ein wenig unvernünftig, aber am Ende gut. 😉

    @Kai: Üsch hab seither jetzt schon zwei Eis gegessen. *mitdenfüßenscharr* 😳 Und Steak und McDoof und Bratwurst und Dampfnudel und *überleg* Ach, einige Sünden, aber es hat soooo gut getan! 😀 Belohnung ist wichtig. Auch Dir, lieber Kai, schöne Feiertage.

  • Eva sagt:

    Hallo Eva,

    auch von mir ganz herzlichen Glückwunsch zum ersten Zehner und das nach so kurzer Zeit schon – echt super!!

    Weiterhin viel Spaß am Laufen!

    Liebe Grüße

    Eva (die früher als Kind auch immer Evchen genannt wurde…aber nur, wenn sie lieb war ;-)!)

  • Eva sagt:

    @Eva: Das kenn ich! *lach* Danke für Deine lieben Worte. 🙂

  • […] ich es kann) durchgeknallt. Z.B. mache ich Sachen, die mich ängstigen, um sie zu überwinden. (Deichlauf […]

  • […] zu haben. Und so wird der Spaßfaktor sicherlich noch einmal ansteigen.  Wenn ich jetzt an den Deichlauf zurückdenke, juckt es mich […]

  • […] ging es noch an den Rhein auf den Deich (ohne Deichschafe) und an den Platz des Zieleinlaufes und das alles ohne Regen und manchmal sogar blinzelte die Sonne […]

  • […] war. Ankommen war also die Devise und mit 63min. war ich sehr zufrieden und überglücklich, es geschafft zu haben. Das war meine bisher schnellste Zeit auf diese […]

  • […] Highlights waren der Deichlauf, die 5km sub 30 durch Eigenurindoping, 20km am Stück zu laufen und […]

  • soeren76 sagt:

    Oh ja, Debüt beim Deichlauf, es ist als würde ich meinen Bericht lesen. Irgendwie hat der Neuwieder Deichlauf etwas besonderes!!
    Ich bin aber immer noch froh das Claus mit mir gelaufen ist, das war dann doch leichter, als bei dir.

    Aber ist schon echt kras das Du 2 Jahre später dann schon eine 57 Zeit gelaufen bist

    Evchen Antwort vom Juni 29th, 2011 11:11:

    Krass ist was Anderes, aber ich bin zufrieden, daß ich mich Peau a Peau weiterentwickele und die Rückschritte bisher klein sind. Stein auf Stein, Stein auf Stein…. *sing*

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