daneben

Vorgestellt hatte ich mir für heute 20km zu laufen und dabei ein paar Höhenmeterchen mitzunehmen.

Als ich heute Morgen lostrabe, bin ich guter Dinge, habe eine grobe Vorstellung davon, wo ich lang laufen will und… die hat so überhaupt nichts mit der Realität zu tun. Keine zwei Kilometer später; meine Orientierung ist flöten und mein Puls zeigt mir schon das erste unfreiwillige Intervalltraining an. Nun gut, werden es eben ein paar Höhenmeter mehr.

Es schleppt und keucht und flucht sich so dahin und nach nur 12km bin ich am Ende-mit meiner Kraft, aber ~10km vom Auto entfernt.

An meinen Beinen traue ich mich schon nicht mehr herunterzuschauen. Ich habe Angst, daß sie so aussehen, wie sie sich anfühlen. Uah!

Es nützt nichts. Irgendwie muß ich ja zurück. 8 Kilometer sollen es nochmal werden und die haben es in sich. Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich hab keine Lust mehr, ich will, daß das aufhört!

Wenn ich mittlerweile eine Steigung auch nur in der Ferne sehe, keuche ich schon entsetzt auf. Meine Waden zeigen mir auch sofort, was sie davon halten und schalten auf Modus „Starrsinn“ um. Sich zu quälen und das Ziel zu kennen, ist eine Sache. Richtig Aua zu haben und irgendwie wieder zurückkommen zu müssen, eine andere.

Freundlich bin ich mir gegenüber schon längst nicht mehr gestimmt, aber es gilt, das Gleichgewicht zwischen sich selbst anmaulen und sich motivieren zu finden.

Irgendwann schaffe ich es tatsächlich zum Auto. Erlösung! Tjaha, die Rechnung habe ich nicht mit meinen Beinen gemacht. Die ziepen nämlich gerade so arg, daß ich mich nicht zum Heimfahren setzen kann. Also schnappe ich mir verdrossen die Wasserflasche, wechsele schnell das Shirt und trabe nochmal eine Runde um den Parkplatz. Und noch eine und noch eine. Zuhause angekommen ist mir übel und eine Zecke habe ich auch mal wieder an mir parken lassen.

Ich bin echt sauer auf mich selbst, fühle mich elend und bin enttäuscht, daß 20km so quälend sein können.

Als meine bessere Hälfte mich schätzen läßt, wie viel Höhenmeter das waren, läuft er laut lachend weg. Na toll! DAS kommt meiner Laune gerade noch recht.

Er kommt wieder und sagt in Worten: „Siebenhundertsiebenundreißig.“

Ich kann die Information zwar erfassen, aber nicht verarbeiten, also flenne ich erstmal ausgiebig. Einfach so, aus Frust, aus Fassungslosigkeit, aus….

Eine Dusche, ein paar verbale Aufbaukuren und ein ausgiebiges Frühstück später sieht die Welt schon wieder anders aus.

Begeistert bin ich immer noch nicht, daß ich mir das antun mußte, aber immerhin zwackt sich so ein kleines Schmunzelgrübchen in meine linke Wange, wenn ich mir mal auf der Zunge zergehen lasse, wie hoch das wirklich (für mich) war.

Zumindest habe ich im Nachhinein die beruhigende Gewißheit: es durfte wehtun.



39 Responses to “daneben”

  • Sancho sagt:

    Boah. Ich war ja schon mächtig stolz auf die 585 HM vom Feldberglauf. Und Du machst 737 aus Versehen? Hut ab, trotz Heulen und Beinschmerzen!

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:08:

    Das darfst Du auch sein. Würden wir die Zeiten vergleichen, sähe das schon wieder ganz anders aus. Mein Lauf darf sich gerade noch so schimpfen. 😉

  • Brennr.de sagt:

    Jetzt weißt Du in etwa, wie es mir gestern ging. Zwar hatte ich keine solch üblen Höhenmeter, aber eine ähnliche Laune. Du hast es geschafft. Darauf kannst Du stolz sein, auch wenn es keinen Spaß gemacht hat. Das nächste Mal darf es wohl dann wieder etwas weniger sein, hm? 😉

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:11:

    Ich könnte es noch besser nachfühlen, wenn Dein Bericht endlich mal käme. 😉 Christian, solche Läufe wie Deiner, machen stark. Die tun weh, aber für die Zukunft lassen sie Dich nur (hinzu-)gewinnen.

  • Chris sagt:

    Wow! Ganz schön hoch hinaus! Wie hast du denn dein Auto wiedergefunden? „Find my car“?

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:12:

    Halt Dich fest: Ich habe nach dem Weg gefragt! Schrecklich, wa? 😉

  • Laufhannes sagt:

    Sobald du im flachen Land wie ein Gepard davon sprintest, wirst du dich für diese Tour lieben. Vielleicht auch schon heute Abend oder morgen Früh. Sei stolz auf dich, dass du dich so gequält hast.

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:15:

    Ich muß und möchte Dir recht geben. *flüster* Superkompensation. Hui….

  • Laufline sagt:

    Klar, unserem Evchen reichen nicht ein paar Höhenmeter, nein, sie will direkt wieder ganz hoch hinaus! *seufz* Was wir hier nicht alles mitmachen!

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:17:

    Mit Wollen oder gar Beabsichtigen hatte dat nüschd zu tun, jar nüschd!

  • Laufline sagt:

    Ach, fast vergessen: UUUUAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!! *schreiendimKreisrenn* Du Tier, Du! Wenn nicht jetzt schon, dann kriegst Du morgen das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Trotz unsagbarer Schmerzen 🙂 Herzlichen Glückwunsch zur grandiosen Leistung!

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:20:

    Es hat bis gestern und bis zum nächsten Lauf gedauert, aber jaaa…. irgendwann dann… 😀

  • ultraistgut sagt:

    Ach, liebes Evchen, ist es nicht das, was uns Läufer ausmacht, bereit zu sein, sich zu quälen, das gute Gefühl DANACH lässt uns (normalerweise !!) alles vergessen.

    Es wird nicht das letzte Mal sein, dass du dich quälen wirst, und glaube mir, irgendwann macht es sogar Spaß – und es lohnt sich aus meiner Sicht immer, immer öfter ………. 🙄

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:23:

    Liebe Margitta,

    vorbereitet war ich sicher nicht auf das, was mich erwartet hat. Aber bereit, das stimmt. Je suis pret. Erstaunlich, wie sehr man auch sich selbst gegenüber auf stur schalten kann. Ich glaube, der Lauf war vor allem für den Kopf eine wichtige, wenn auch kleine, Prüfung.

  • Gerd sagt:

    Die wahre Freude entsteht, wenn man weiß wofür man gelitten hat! 😉
    Das wird. Immer weiter, immer wieder!
    Irgendwann fliegst Du den Berg hoch!

    (Sage ich jedenfalls auch immer wieder zu mir) 😉

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:26:

    Äääh, also bei mir entsteht eher Freude, wenn ich bei einem der nächsten Läufe merke, daß es auf einmal leichter fluppt als zuvor. Aber über Höhenmeter freuen…? Frag mich in einer Woche nochmal. Oder in einem Jahr? 😉

  • Blumenmond sagt:

    Du machst ja Sachen. Wow….!

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:27:

    Ersetze wow durch ein anhaltendes Au, dann kommt es hin. 😛

  • An-Kas sagt:

    Ui. Das ist viel und hoch!
    Ob ich hier überhaupt eine Strecke finden würde, wo man diese Höhenmeter zusammenkriegt? *grübel*
    Ähm nee, brauche ich gar nicht zu überlegen, ich schleppe mich nirgendwo freiwillig hoch! 😉
    Du darfst auf alle Fälle grinsen.
    Wieviel hattest du denn geschätzt?
    LG

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:32:

    400 Höhenmeter hatte ich gehofft. 😉
    Aber Du könntest Dich im September hier über den Deich quälen, hm? Hm? Hm? Hm? 😀

  • Laufcast sagt:

    Respekt!! Ich habe hier am Rande des Ruhrgebiets auch nicht die Möglichkeit, so viele Höhenmeter zu laufen. Und im Moment würde ich mich auch nicht in der Lage sehen, so einen Lauf durchzustehen! Also nochmal Respekt!!!

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:37:

    Und ich bin nicht in der Lage, den Rennsteig zu laufen. Jeder, wie er kann. Aber das nächste Mal schicke ich, glaube ich, wen anderes da hoch. 😉

  • Supermario72 sagt:

    WOW – Hut ab! DAS sind die Einheiten, die Dich wachsen lassen! DIE, die richtig weh tun! Da darfst Du auch ruhig mal weinen hinterher. 😉

    Nur solltest Du nicht allzu zu sorglos mit diesen Intensitäten umgehen. Wenn Du auf diesem Level weitertrainieren willst, würde ich schon wieder zu einer vernnünftigen Trainingssystematik raten.

    Aber jetzt freu‘ Dich erstmal über diese Hammer-Einheit!

    Grüße aus Köln!
    Mario

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:40:

    Jaaaaaauaaua, das sind die Einheiten, an denen man noch drei Tage später Spaß hat. *Kehrseitereib*
    Ich habe zwar im Moment keinen Plan, aber vernünftig und strukturiert gehe ich schon an meine Lauferei heran; nach bestem Wissen und Gewissen natürlich. Aber ab nächsten Monat gibt`s auch wieder frisch „tapezierte“ Küchentüren. *schelm*

  • Saba sagt:

    Unfassbar! Du hast nen Orden verdient 🙂

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:41:

    Pscht, Sabakind, nicht so laut. 😉 Ein Heldenpünktchen für`s Heftchen genügt mir ja schon. Darf ich?

    Saba Antwort vom Mai 25th, 2011 12:23:

    Abba Sischa dat 🙂 *Heldinnenbonuspunktheftchen hinhalt

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 12:48:

    Bäbberli. 😀

  • Pierle sagt:

    Was wieviele Höhenmeter? Ich muß mal dringend meinen Forerunner auslesen, um zu gucken, wieviele Höhenmeter ich auf meinen Runden im Sauerland gemacht habe. Aber bestimmt nicht sooooooo viele…..

    Pierle Antwort vom Mai 23rd, 2011 20:44:

    So – jetzt hab ich es nachgesehen. Auf einer 10km Runde hatte ich 292 Höhenmeter. Da war ich aber auch gar.
    Dann nochmal 10km mit noch mehr Höhenmetern? nein Danke!

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 07:47:

    Glaub mir, das wäre für mich auch mehr als genug gewesen, um platt zu sein! Da ich aber gestern schon wieder Bock hatte zu laufen, war es wohl nicht ganz so schlimm. 😉

  • Christian sagt:

    Liebe Eva,
    manchmal muss das Leiden dabei sein, denn umso größer ist dann die Freude über das Erreichte, ich hoffe Du musst nicht so sehr für den ungewollten Übermut bezahlen. Höhenmeter sammeln ist doch etwas schönes und nach ein paar tausend davon, kann es zur Obsession werden, also aufpassen 😉
    Erhol Dich gut und lass den Übermut mal ein paar Tage stecken 😀

    Salut

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 08:21:

    Mein Kopfübermut wurde gestern doch arg durch meine Beinschwere gebremst. Aber allmählich scheine ich Anstrengungen doch ein biiiiißchen besser wegzustecken. Ein schönes Gefühl. 🙂

  • Gretel sagt:

    ich fühle ja sowas von mit Dir 😉

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 08:28:

    Und heute darfst Du Deine Beine auch singen hören. Das war ein geiler Song gestern! 😀

  • -timekiller- sagt:

    Boah, ein HM mit 737 Höhenmetern. Da weiß man was man getan hat :-). Viel spaß beim Regenerieren.

    -timekiller-

    Evchen Antwort vom Mai 25th, 2011 08:43:

    Spaß hatte ich die letzten zwei Tage, hossassasasa. Aber es scheint nicht schlimm genug gewesen zu sein, wenn ich mir das (irgendwann) nochmal vorstellen kann. 😉

  • Steffen sagt:

    Liebes Evchen,
    tapfer durchgekämpft und in weiser Voraussicht schon mal ordentlich Höhenmeter geschruppt, oder wie ist das mit den 24 Km durch den Westerwald….?

    Also, die Qualen werden sich gelohnt haben, wie du am Vatertag noch sehen wirst!

    Wir freuen uns auf ein Wiedersehen,
    Steffen

    Evchen Antwort vom Mai 27th, 2011 10:21:

    Mein Lieber,

    „weise“ und „Voraussicht“ waren nicht gerade die Attribute, die ich mit auf der Strecke hatte, aber ja, ich habe *toitoi*den Lauf tatsächlich sehr gut verkraftet, was ich nicht erwartet hätte. Mir schlottern dennoch die Knie, aber ich freue mich auf euch! *drück*

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