Amen

Der Wecker klingelt um 5:15 Uhr. Aufstehen klappt noch ganz gut, Kaffee andrücken, die Laufklamotten liegen schon strategisch neben dem Bett bereit. Erst unnerum, dann Zähneputzen und Haare zusammenknuddeln, dann owwerum anziehen. Der erste Schluck Lebenselixier schmeckt wie immer köstlich bitter, belebt heute aber nicht wirklich. Ich bin so müde!

Ich bin ernstlich versucht, mich noch einmal auf`s Ohr zu hauen. Die einzigen Dinge, die mich davon abhalten, sind das Wissen, daß ich auch ohne Schwitzen vor der Arbeit duschen muß und ich nach dem Laufen wacher sein werde.

Also Käffchen ausschlürfen, Guten-Morgen-Musik auf die Lauscher und ab vor die Tür.

Nach wenigen Minuten bin ich frisch, die Sinne sind hellwach. Es läuft.

Ein paar Minuten später ist allerdings auch mein Körper wach und fordert plötzlich dringend Erleichterung.

Ich bin nicht so schamhaft, daß ich mich nicht einfach an den Wegesrand verdrücken könnte. Aber gerade im Dunkeln bin ich zwar nicht überängstlich, doch stehenbleiben ist mir schon unangenehm.

Zum Glück hat mich meine bessere Hälfte im Sommer (als ich ganz ähnlich gehandicapt war) auf ein unersetzliches Kleinod aufmerksam gemacht; einen Friedhof am Rande eines nahegelegenen Stadtteiles.

Bis dahin ist es noch gut ein Kilometer, aber es lohnt sich, die Zähne zusammenzubeißen, denn auf diesem Friedhof gibt es eine Toilette, die immer geöffnet ist!

Halleluja! Ich kann entspannt nach Hause traben.

Es erstaunt und freut mich über die Maßen, daß es tatsächlich noch öffentliche Dinge/Stellen/Gegenstände gibt, die nicht entweder völlig verdreckt und verwahrlost und damit quasi unbenutzbar oder abgeschlossen sind.


28 Responses to “Amen”

  • Patrick sagt:

    Klingt gut, wie wars dann heute den Tag über auf Arbeit?
    Als ich anfing morgens zu laufen, hatte ich anfangs ab 14 Uhr immer einen gnadenlosen Tiefpunkt, da hätte ich im Stehen einschlafen können.

    LG Patrick.

    Evchen Antwort vom Oktober 29th, 2010 15:30:

    Ich laufe öfter morgens vor der Arbeit, wenn ich Mitteldienst habe. Dann muß ich erst kurz nach 8 Uhr aus dem Haus. Das paßt mir dann besser, als nach 19 Uhr mit knurrendem Magen zu starten. Ich bin eh Frühaufsteher, also fällt mir das nicht schwer und ich fühle mich sogar fitter/wacher, wenn es dann ans Arbeiten geht.

  • Hannes sagt:

    Wenn ich schon das Gefühl hatte, dass es Toiletten-Gang-mäßig eng werden könnte, wusste ich in Heikendorf immer, wie ich die Strecke wählen musste. (Gibt ja auch Geschäfte, die man nicht unbedingt praktischerweise an der Straße verrichtet)

    Hier in der Pfalz steht mir aber noch das große Fragezeichen im Gesicht. Gut, wenn man solche Zufluchtsorte kennt.

    Evchen Antwort vom Oktober 29th, 2010 15:36:

    Und für eine Frau doppelt gut!
    Andererseits führt Eigenurindoping ja bekanntlich zu neuen Bestzeiten, also….hm. *schmunzel*

  • ultraistgut sagt:

    Glück muss ich die Frau haben, und so hat sie ein passendes Örtchen gefunden.

    Für mich wäre das nichts, bevor ich mich auf solche öffentliche Etablissements begebe, verziehe ich mich lieber zu Mutter Natur, ist sauberer, duftet frischer, und fast überall bietet sich ein Örtchen. 8)

    Evchen Antwort vom Oktober 29th, 2010 15:47:

    Ach, Du da oben hast ja auch mehr als genügend Botanik drumrum, wo Du Dich menschenseelenunbemerkt verkrümeln kannst. Da würde ich es auch vorziehen, mich hinzuhockeln, als nochmal 5km zu laufen, nur um in die nächste Ortschaft zu kommen. Hier in der Stadt ist es eben umgekehrt. Eine Toilette ist (fast) leichter zu finden, als ein unbeobachtetes Stück Grün. 😉

  • Gerd sagt:

    Wow, Eva meinen tiefsten Respekt!
    Ich weiß ja was es heißt Morgens um 5:00Uhr aufzustehen und zu sporteln!
    Ich bin ja soooooooo stolz auf Dich! 😉

    Evchen Antwort vom Oktober 29th, 2010 15:49:

    Ach, Gerd, das ist schon ein alter Hut und ich laufe schon eine ganze Weile ab und an morgens vor der Arbeit. Nur im Sommer ist das kein Thema; im Winter erfordert es erstmal wieder ein bißchen mehr Überredung. Morgens ist eh am schönsten für uns, nech? 😀

  • Anne sagt:

    Ich bevorzuge die Botanik, wenn ich unterwegs dringend flüssigen oder festen Ballast ablassen muss. In belebten Gegenden hocke ich mich natürlich auch nicht einfach so an den Wegesrand, aber meist findet sich doch ein verschwiegenes Plätzchen. Naja, vielleicht ist euer Friedhofs-WC sauberer als ich mir vorstellen kann! 😉

    Ansonsten: Aufstehen um 5:15 Uhr – Reschpäkt, super gemacht! Das muss ich ab nächste Woche auch irgendwie hinkriegen …

    Evchen Antwort vom Oktober 29th, 2010 16:01:

    Es ist sauber und Gold wert! *schweißabwisch* Denn gerade morgens um die Uhrzeit sind Fußgänger auf der Strecke, die zur Arbeit gehen. Nicht viele, aber es würde reichen, um mir einen Schrecken für`s Leben einzujagen. Morgens laufen fällt mir nicht schwer, nur der Druck im Hinterkopf, daß man ja nur Zeit x zur Verfügung hat, weil die Arbeit ruft.

  • Laufline sagt:

    Ich hab Angst vor Dir 🙂

    Evchen Antwort vom Oktober 29th, 2010 16:02:

    Du Käser! 😉 Weswegen jetzt genau? Weil ich morgens aufstehe?

    Laufline Antwort vom Oktober 29th, 2010 19:39:

    Weil Du zu so einer unchristlichen Uhrzeit aufstehst – und, als sei das nicht schon schlimm genug – auch noch LÄUFST. *inewigerehrfurcht*

    Evchen Antwort vom Oktober 30th, 2010 10:22:

    Naja, es gibt nicht wenige Menschen, die sind um die Uhrzeit schon auf, weil sie arbeiten müssen. Ich betrachte es als Luxus und dann fällt das aus dem Bett schälen auch (meistens) nicht so schwer. 🙂

  • Alex sagt:

    5:00 Uhr aufstehen, um zu laufen – höchster Respekt-in-Gold-mit-Hosenband-Orden! Das würde ich niemals tun!

    Evchen Antwort vom Oktober 29th, 2010 16:04:

    Ich habe den Vorteil, daß mir früh aufstehen eh nicht schwerfällt, aber der Rest ist Gewöhnung.

  • Steffen sagt:

    Klasse! So etwas müsste es bei uns auch mal geben, obwohl, da fällt mir gerade ein, ich glaube auf einem unserer drei Friedhöfe wurde letztens so etwas installiert…..ich könnte ja mal dran vorbei laufen und nachschauen..immer gut zu wissen das wenn muss, gelle?

    Bis Sonntag, du Hibbel,
    Steffen

    P.S.: Zu deinem Lauf heute Morgen: Früh übt sich wer…..

    Evchen Antwort vom Oktober 29th, 2010 16:05:

    Mach doch mal und film Dich dabei. Mich würd`s amüsieren. 😀

    Ab nächste Woche ist es eh wurschd, ob ich unter der Woche morgens oder abends laufe, weil es gleich dunkel ist, also werde ich auch wieder ein paar Läufe mehr vor der Arbeit machen.

    Bis Sonntaaaaag! *hibbelhibbelhibbel*

  • Brennr.de sagt:

    Puhh, und ich befürchtete schon beim Lesen, Du würdest Grabschändung betreiben wollen. 😯 Aber dann hast Du zum Glück die Toilette erwähnt. 😉

    Evchen Antwort vom Oktober 29th, 2010 16:08:

    Grabschändung, päh! Ich persönlich kann mit Friedhöfen in ihrer gedachten Funktion so überhaupt nichts anfangen, aber dennoch habe ich Respekt davor, daß andere das sehr wohl können. Aber nett, daß Du mir das zutraust. 😉

  • Martin sagt:

    Letzten Sommer habe ic hauch mal aus dem Wasserhahn des Friedhofs getrunken (da wo immer die Gießkannen aufgefüllt werden) war schon ein seltsames Gefühl – und bin auch genau beobachtet worden. Aber wenigstens bin ich das Stück übern Friedhof nicht gelaufen sondern gegangen.

    Evchen Antwort vom November 2nd, 2010 09:00:

    Also, gehen tue ich auf dem Friedhof immer. Wie schon geschrieben: mir selbst gibt ein Friedhof null emotionalen Wert, aber ich mag nicht anderen gegenüber respektlos sein und es ist eben nun mal ein „stiller Ort“. *doppeldeut*

  • Kind, Du hast Respekt (Angst schreibe ich bei Dir nicht;)) vor dem Dunklen und bist dann vor Sonnenaufgang auf dem Friedhof unterwegs … schauder … bin ich ein Pienznaeschen.

    Aber Respekt vor der Uhrzeit!!!

    Evchen Antwort vom November 2nd, 2010 09:03:

    Der Friedhof macht mir weniger Sorgen als das außerhalb. 😉
    Und ja, manchmal ist mir auhc mulmig, aber ich versuche, mich davon nicht beeinflussen zu lassen und mittlerweile hab ich ja immer das Handy dabei uhund ich dehne ja, also könnte ich einem potentiellen Angreifer mit einem Roundhouse Kick begegnen. 😛

  • tuepfel sagt:

    ich beneide jeden, der morgens leicht hochkommt und auch noch laufen kann … bei mir absolut nicht möglich. Ich nehms mir immer wieder vor, weil viele davon so schwärmen, aber ich bekomme es nicht gebacken. Also auch von mir ein Hutab, wenn auch grün vor Neid.

    Evchen Antwort vom November 2nd, 2010 09:06:

    Jeder hat seinen Rhythmus und mir fällt es unter der Woche unglaublich schwer, mich nach der Arbeit noch zum Laufen aufzuraffen. Der Haushalt steht an, ich bin müde, habe Hunger…. das ist mehr Quälerei als morgens um 5 Uhr auf der Gasse zu stehen und zu wissen, daß außer Schlafen jetzt nichts an Aufgaben leidet. Bist Du denn ehre ein Morgen- oder ein Abendmensch?

  • matbs sagt:

    Nächstes Mal solltest du das mit der Toilette frühstmöglich erwähnen, das erspart der Leserschaft ein paar Sekunden mit der Frage, ob das jetzt ´ne Story über wilde Notdurft auf geweihtem Boden wird… 😀

    Evchen Antwort vom November 4th, 2010 11:22:

    Och, ich finde den Effekt durchaus schmunzelnswert. 😉

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