Archive for September, 2011

2. Neuwieder Deich-Halbmarathon

Das wird mal ausnahmsweise wieder ein längerer Bericht, aber das Wochenende ist es einfach wert, auszuschweifen.

Hannes und seine Freundin Eva reisten wie üblich einen Tag vorher an. Albern, quatschen und an einem herrlichen Sommertag im Garten grillen-die perfekte Vorbereitung auf den Halbmarathon.

Am nächsten Morgen wurden die Brötchen von unseren Jägern und KilometerSammlern schlechthin erbeutet: den Runningfreaks. Spätestens, wenn Steffens Lache durch die Wohnung hallt, ist jeder hellwach und das meine ich rein positiv.

Am Frühstückstisch wird fröhlich durcheinandergeplaudert und Läufergarn gesponnen.


Eine Stunde vor Start machen wir uns auf den Weg, weil wir noch mit Sina + Freund und Sven + Companion verabredet sind. Es ist warm, hier sagt man babbich, auf hochdeutsch schwül dazu. Das Wetter sollte heute unser (fast) aller Bestzeitkiller sein, aber man geht ja deswegen nicht heim, richtig?

Schon beim gemeinsamen Einlaufen merken Sina und ich, daß die Luft zum Atmen heute nicht viel taugt.

Ehrlich, zu dem Zeitpunkt ist es mir noch völlig wurschd, was das Wetter, die Beine oder sonstwer zu melden hat. Das ist der erste offizielle Lauf, bei dem ich völlig frei am Start stehe. Ich habe kein festes Ziel und bis zum Start überhaupt kein Vorhaben, wie ich gleich laufen werde. Der Lauf soll mir entweder als lockerer längerer Lauf dienen oder als Lauf, um mein Marathontempo zu finden oder als Formbestimmung. Fehler Nummer 1.


Ich habe nicht mal darüber nachgedacht, wo ich mich aufstelle, sondern tapse einfach mal hinterher. Startschuß mit Fehlträllern vorher und der Troß setzt sich schleppend in Bewegung. Die ersten Meter denke ich noch, daß der erste Kilometer sehr langsam sein wird (vielleicht so 7min?) wegen der erstmal dichten Läuferschar. Meine  Autorunde piepst mich allerdings schon nach 5:47min. an. Hm.

Ich lasse laufen und das nächste Piepen ertönt nach 5:37min/km. Fehler Nummer 2.

Es führt sich so fort und ich laufe bei einem Halbmarathon 5km-Bestzeit. Fehler Nummer 3.

Ab etwa Kilometer 7 schaffe ich es endlich, ein klein wenig auf die Bremse zu treten, aber es sollte schon zu spät sein. Krämpfe, gehen, dehnen, gehen, linkshinken.

Das Schiefgehoppele führe ich noch eine Weile fort und irgendwann ist es mir zu blöd. Ich hab mich übernommen und muß jetzt damit klarkommen. Aufhören is nich, in dem Tempo weiterlaufen aber auch nicht.

Auf der Strecke geht ein junger Mann und nach kurzen Rückfragen zeigt sich, daß es ihm gleich geht. Es ist sein erster Halbmarathon und er ist viel zu schnell los und kann jetzt nur noch abwechselnd gehen und laufen. Zudem kommt die Schwüle, die es einem wirklich nicht leicht macht. Ich überlasse ihm ein Gel und wir schlagen uns ab jetzt gemeinsam durch.

Die Strecke ist ein Rundkurs, den es vier Mal zu bewältigen gilt. So zieht Hannes irgendwann an uns vorbei und als ich applaudiere, zeigt er mir den Vogel und schüttelt den Kopf. Oha, das wird also auch nichts mit Bestzeit.

Ganz anders Melanie. Steffen hüpft 50 Meter vor ihr her und die beiden „unterhalten“ sich auf ihre ganz eigene Art, sprich: Steffen spornt sie an, Melanie wird davon sauer, weil sie sich nicht quälen will und…quält sich. Sie wird Bestzeit laufen und noch den 1. in der AK mit nach Hause nehmen. So viel dazu.

In der letzten Runde zieht ein Gewitter auf. Der Wind haut in den Rheinanlagen die Kastanien von den Bäumen und uns um die Ohren. Mehr als einmal laufen wir völlig irrational geduckt und mit der Hand über`m Kopf. Als aber endlich der heftige Regen (der bis heute Abend anhalten sollte) einsetzt, sind wir erleichtert und atmen ein auf. Gefühlt binnen Sekunden sind wir klitschnaß und die Straßen vollgelaufen.

Die letzten zwei Kilometer ziehe ich nochmal ein bißchen an. Das fällt meiner Begleitung sichtlich schwer, aber er hält tapfer Schritt. Ich sage ihm die letzten 100er an. 500 Meter vor`m Ziel mag er nochmal gehen, doch ich bin hart und meine nur: „Nix hier. Ab jetzt muß es wehtun.“ Er läuft brav und leidend weiter, wir ziehen nochmal an und liefern uns am Ende sogar noch einen Zielsprint, den ich gewinne. Vor der Zielmatte bleibe ich stehen, warte und wir gehen exakt gleich nach 2:15:35 über die Matte.


Bei diesem Lauf habe ich so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann und ich fühle mich pudelwohl dabei, denn: ich habe mich ausprobiert. Gels schlabbern und trinken während des Laufes, verheizt, gekrampft, keine Lust mehr gehabt-alles mitgenommen. Ich bin zufrieden und habe mich besser kennengelernt. Das war gut für den Kopf und somit für Köln.


Die Stimmung an der Strecke war gut und unsere Groupies konnten uns ganze acht Mal anfeuern. Dafür war der Rundkurs dann wieder optimal.

Ein Erlebnis der besonderen Art hatte ich zu Beginn der dritten Runde. Ich durchlaufe den Bogen und werde angesagt: „Eva Hermann von den Laufmonstern“. Da dreht sich einige Meter vor mir ein Mann um, sprintet zu mir zurück, gibt mir die Hand und sagt etwas wie: „Du bist die Miss Monster. Hi, ich bin der Frank, bin 3. und muß los.“ Ich lache völlig geplättet laut und erwidere: „Dann lauf und schwetz ned!“

Es war Frank Carbach von den Laufmonstern, der mich hier so charmant überrumpelt hat. Zum Glück habe ich ihn nicht den 3. Platz gekostet und wir konnten nach dem Lauf zumindest noch ein paar Worte wechseln. Lieber Frank, eine sehr sympathische Aktion!

Jetzt aber zum wichtigsten überhaupt an diesem Tag.

Ich platze vor Stolz und Freude, denn mein Sinusläufer ist jetzt ein Halbmarathoni! Und alle so: YEAH!

Ganz herzlichen Glückwunsch auch an die Debütanten Sven und Sebastian, an Melanie zu ihrer Bestzeit und Hannes zum 2. Platz gesamt!

Gekämpft haben wir heute alle.

T-Minus 20 Tage.




hier ist nichts passiert

Das kann man genau so als Motto unseres Laufes stehenlassen.

Heute durfte ich die kurzweilige und äußerst angenehme Gesellschaft von Claus aka Mister Monsterwade 2010 genießen. Danke für die schöne Unterhaltung!


Wenn auch nur um ein paar Meter, aber immerhin bin ich heute weiter als je zuvor geschlurft. Da ich aber vorhabe in vier Wochen noch ein gutes Stückchen weiter zu laufen, lasse ich das mal mit einem Lächeln an mir vorbei.

T-Minus 27 Tage.

Was oder besser wer mir heute ein weiteres dickes Lächeln auf`s Gesicht gezaubert hat, ist Anja. Sie konnte heute nach langer langer Wehphase endlich wieder einen Halbmarathon laufen und hat nebenbei noch ihre Bestzeit pulverisiert!

Es freut mich ganz besonders für sie persönlich, zeigt aber auch, daß Verletzungen und schwierige Phasen durchstanden werden können!

Anja, auch an dieser Stelle nochmal herzlichen Glückwunsch!

big brothers are watching me

Internet- und Technikspielzeuge machen mir Spaß, aber manche finde ich auch nervig, unnötig und ab und an sogar gefährlich.

Es gibt diese Apps, die einen auf der Strecke begleiten und für andere ersichtlich machen, wie schnell man wo genau gerade läuft. Im Alltag wollte ich das nicht, unter Anderem auch, weil ich als Frau, die oft allein unterwegs ist, nicht möchte, daß jedermann im Internet sehen kann, wo ich gerade unterwegs bin.

Bei Twitter empfinde ich es sogar als äußerst lästig, wenn statt persönlicher Tweets nur Meldungen ala „Ich bin gerade x km mit y Pace via Schießmichtotapp gelaufen“ die Timeline verstopfen.

Aber für einen offiziellen Lauf kann ich mir das gut vorstellen.

Wer will, kann also quasi in Echtzeit bequem nachvollziehen, wo sich der Läufer gerade befindet und wie er sich schlägt.

Am Sonntag hatte ich die Gelegenheit, meinen Sinusläufer von der Badewanne aus  zu verfolgen (weil es ihm im Gegensatz zu mir nichts ausmacht, wenn man ihn bei seinen Trainingsläufen stalkt).

Das brachte mich auf die Idee,  daß es für meine Lieben schön sein könnte, wenn sie während des Marathons nachsehen können, wo ich gerade rumeiere.

Falls es also sonst noch jemanden interessiert, ich nutze an dem Tag Endomondo.