Archive for Juni, 2011

Renndenndenn

Echt, ich bin drüber. Das war so ein geiler Tag!

Ohne große Planung und Koordination haben sich beim 6. Deichlauf in Neuwied einige neue und alte Bekannte versammelt, um gemeinsam und jeder nach seinem Können und Wollen an den Start zu treten, zu quatschen, zu lachen… Alles fügt sich federleicht und ganz selbstverständlich ineinander.

Bei so viel guter Laune mußte es Bestzeiten hageln und genau so war es auch.

Die anderen werden sicher noch für sich berichten wollen, wie sie den Tag erlebt haben, also beschränke ich mich hier auf meine Eindrücke.

Hannes explodierte für sich den 5er vorweg (Nur so viel: Sieg und Streckenrekord!)  und brannte sich anschließend locker mit Sina und mir beim 10er runter.

Da ich mir ja lieber viel zu wenig als zu viel zutraue, versetzt es mich immer noch in Spontanpanik, wenn ich nur höre „mit 5:50min/km“ loslaufen und wenn ich die Zahl dann auch noch sehe….nee nee. Nix gut. Also lieber mal nicht auf Edda schielen und laufen lassen.

Okok, ich habe nur mal bei Kilometer 1 gesplinst: 5:39min/km. *schluck* Hat doch gar nicht wehgetan, wenn Du mal ehrlich bist.

Beim zweiten Kilometer merke ich allerdings, daß wir schneller geworden sind und drossele von mir aus ein bißchen runter. Da habe ich nicht gesplinst, aber die Uhr sagt mir hinterher 5:25min. Dann läuft es sich ein und auf der Strecke, ein 5km-Rundkurs, gibt es viel Kurzweil. Sina und Hannes quatschen locker, ich streue auch ein paar Hurghs ein, Trommler, unsere Groupies, Laolaleute….das fetzt.

Es schmunzelt freudig aus meinem Gesicht heraus, als ich die erste Runde und damit 5km in exakt 29 Minuten durchlaufe-schneller als jemals zuvor. Jetzt verlier` Dich bloß nicht in einem „was Du eigentlich alles nicht kannst“-Blödsinn. Rollen lassen, rollen lassen, rollen lassen, Tempo halten, Faxen machen, für die Kamera lächeln.

Kurz vor km 7 kündigt Sina an, daß es sie in den Beinen kribbelt und wir lassen sie johlend und klatschend ziehen. Ich bin einfach nur froh, daß ich tatsächlich schon so lange das Tempo halten kann und lasse mir von Hannes von seinem grandiosen Läuferzehnkampf erzählen. Das tut er auch ausgiebig und ich fange an zu rechnen. Klar, die Beine fühlen sich schwer an, aber eigentlich geht es mir gut. Wir passieren den letzten Verpflegungspunkt; ein paar Schlückchen Wasser landen in meinem Mund und zwei Becher Wasser auf meinem Kopf. Ich merke, daß ich noch eine Schippe drauflegen kann. Hannes redet weiter. Ich visiere eine Läuferin vor uns an und wir kommen näher. Näher. Zum Reden fehlt mir allmählich die Puste, also zeige ich Hannes nur mit dem Finger, daß ich vorbei will. Sie seufzkeucht nur, beißt nicht an und läßt uns ziehen. Ich kann das Ziel sehen und ab jetzt wird es wehtun. Ich höre nur etwas wie:“Gleich ist alles vorbei. Danach ist alles egal.“ Und es ist mir egal wie scheiße ich hinterher auf den Zielfotos aussehe!

Eine ganze Weile später, wir sitzen alle gemütlich unter Lichterketten am Rhein im Biergarten, sehe ich mir meine Durchschnittspace auf Edda an und fange hysterisch an zu lachen. Beine stimmen, Uhr stimmt, Urkunde stimmt-soll der Kopf doch meinen, was er will.

Es war so schön mit euch!

WesterwaldlAUF

Ich atme noch. Erstaunlich.

Doch von vorn. Seit ein paar Wochen habe ich Flachlandei mich der Abwechslung halber einmal an Höhenmetern versucht. Als Höhepunkt und Abschluß der Herumkeucherei habe ich mir die 24km des Westerwaldlaufes herausgepickt. „Is ja noch was hin und bis dahin schaffst Du das“, dachte ich mir.


30km waren bisher das Maximum meiner am Stück erlaufenen Kilometer und das war im letzten Jahr und auch bisher einmalig. Dieses Jahr startete doch eher schleppend für mich. Ausgeschriebene 24km mit ca. 500 Höhenmetern würden also schon ein Brett für mich bedeuten.

Wie es immer so ist, war auf einmal der Tag gekommen und ich habe Muffesausen; so richtig.

„Das ist zu viel. Das kannst Du gar nicht schaffen. Das wird eine einzige Schmach und Dein bißchen Restselbstvertrauen in Deine läuferischen Fähigkeiten wird auf dem Rheinsteig oder wahlweise auf dem Rheinhöhenweg begraben werden.“ Muah! Angst!

Andererseits signalisiert mein Körper mir schon eindeutig, daß die Verlaufereien in letzter Zeit etwas gebracht haben.

Diese leise Zuversicht und meine „Start-, Ziel- und After-Run-Partyverabredung“ lassen mich dann doch um 8 Uhr bei strahlendem Sonnenschein am Start stehen. Am Morgen ist die Nervosität doch weit geringer wie in den Tagen zuvor, was zum Teil auch an der angenehmen Gesellschaft und dem damit verbundenen Plausch liegt.


Mein Ziel ist, mir den Lauf gut einzuteilen und mehr laufend als gehend anzukommen.

Die ersten Kilometer sind moderat mit nur kleinen Steigungen und erstmal abwärts gerichtet. Etwa bei Kilometer vier verlaufe ich mich das erste Mal; sehr zur Belustigung der überwiegend männlichen, silberhaarigen Wanderschar, an denen ihr „Waldmeister“ (wie sie mich lachend und frotzelnd titulieren) gleich zwei Mal innerhalb weniger Minuten vorbeiläuft.

Der erste Verpflegungspunkt ist schnell erreicht und eine psychologische Verunsicherung erwartet mich. 25km da lang? Ich dachte, es seien 24km? Nicht drüber nachdenken. Wenn dem so sein sollte, schaffst Du doch wohl noch den einen Kilometer mehr!


Ich halte mich mit Zahlenspielereien bei Laune. 24km in drei Etappen unterteilt, die wieder in je zwei zerpflückt. Ab Puls soundsoviel gehst Du Steigungen hoch, darunter kannst Du laufen. Das klappt ganz gut und nach etwa einem Drittel der Strecke habe ich eine Weile herrliche Ablenkung durch eine Kölsche Lady. Wir plauschen nett bis zur nächsten Verpflegungsstelle. Da trennen sich unsere Wege, weil sie weiter ausholt für die 34km und ich der Strecke des 24ers folge. Kurz Schuhe ausschütteln, süßen Zitronentee kippen und weiter.

Nach wenigen hundert Metern merke ich schon: ich habe die Pussylane erwischt. Ich bin mutterseelenallein. Tjaja, 24km sind für die Ultras (die natürlich die angebotenen 50km unter die Hufe nehmen) natürlich zu wenig und für die Wanderer…auch. Ich denke kurz darüber nach, wie ich das im Kopf zurechtrücken soll und entschließe mich erstmal, die Einsamkeit für einen Gebüschbesuch zu nutzen.

Och und es sind ja nur noch 10 Kilometer! Die Beine tun weh, funktionieren aber noch. Ich stöpsele mir Musik auf die Ohren und sinniere über den Spruch: „Die Letzten werden die Ersten sein“, weil ich höchstwahrscheinlich vor allen anderen ankommen werde. Hat auch was.

Kilometer 16-21 etwa gehen komplett bergab und ich lasse rollen. Seitenstechen, Knieknarzen, Zehenpuckern-egal. Es macht Spaß und ist das letzte Luftholen vor den finalen fiesen Anstiegen.

Ab Kilometer 22 machen die Beine zu. Dicht. Ende. Aus. Das kam plötzlich. Oh, das tut weh!

Erst winsele ich ein bißchen in mich hinein und auch heraus und drehe mich ein paar Mal um mich selbst in der aberwitzigen Illusion, es könnten ein paar Sänftenträger des Weges kommen. Als das nicht geschieht und ich erkenne, daß ich da irgendwie aus eigener Kraft hoch muß, sind die Beine Nebensache. Laufen ist nicht, also gehe ich schnell und hüpfe oder klopfe manchmal einen Krampf weg, so gut es eben geht. Die Meter ziehen sich, ziehen sich, ziehen sich und es sind natürlich 25km, nicht 24km plus die Extrarunde am Anfang, aber ich bin mittlerweile sicher, daß ich ankomme.

Die letzte Steigung schaffe ich nur mit den Fäusten auf den Oberschenkeln im Froschquickstep. Dann sehe ich das Ziel, Tribünenschritt, da. Quak…äh, krass! Westerwaldlaufpussylanebezwingerin! Ich benutze das Wort nicht ohne Stolz!

Mein erster klarer Gedanke ist: Kaffee. Ich hole gleich zwei, verziehe mich ins Auto und lasse per mobilem Fernsprecher, bei geschlossenen Türen, einen Urschrei nach Hause ab.

Als die Runningfreaks dann auch endlich mal fertig waren 😉 (Ich sach nur: Extrarunde.), konnten wir auch zum Kuchenvernichten in der Monsterhöhle übergehen. Schön war`s mit euch beiden und danke!


Und jetzt, jetzt hole ich mir einen Marathon. Wer will auch einen? Es gibt noch Erdbeer, Schoko und Kokos.