Archive for Juni, 2011

Graphologiedesaster

Das web 2.0 ist wunderbar! Aus ganz vielen, tollen, witzigen, ironischen, bissigen, ♥igen… Gründen. Und aus Gründen der Schrift.

Irgendetwas ging fürchterlich schief, als Abraham mir im Wurstkessel das Fläschchen mit „Feinmotorik der Hände“ hätte beimischen sollen. Auf gutdeutsch: meine Handschrift ist für`n Arsch.

Ich bin froh und erleichtert, daß ich Dank der elektronischen Kommunikation nicht mehr oft mit der Hand schreiben muß und habe geradezu eine Paranoia gegenüber Schriftdeutern entwickelt.

Dennoch gibt es gute Gründe, meine Handschriftscheu ab und an zu überwinden und etwas selbst zu Papier zu bringen. Eine Karte für einen lieben Menschen, ein Brief, ein Marathontagebuch.

Timekiller tut es schon lange und meine liebste Marathondebütmitstreiterin brachte mich auf die Idee, die Zeit bis zum großen Tag nicht nur online festzuhalten.

Es hat etwas Beruhigendes, Tag für Tag, Woche für Woche festzuhalten, wie es läuft, wie ich mich dabei fühle, was mir (Be-)Merkenswertes begegnet.

Besonderes wird natürlich mit grünem Textmarker hervorgehoben, klar oder?

Kampf oder Kunst? Kampfkunst!

Zu einer Marathonvorbereitung gehören nun einmal zu einem überwiegenden Teil langsame, lange Läufe. Das habe selbst ich Frischling schon kapiert und mich entschieden, nicht damit zu hadern trotzdem jedoch ab und an darüder zu frotzeln und mit Trainer um 10 Sekunden zu verhandeln, sondern sie ebenso als Herausforderung zu sehen wie einen Tempodauerlauf oder ein Intervalltraining.

Für harte Runden auf der Bahn habe ich meine kleinen Rituale: es müssen die schnellen Schuhe und Musik sein, die die Ohrläppchen wackeln läßt. Dann fluppt es fast von allein und mir kommt auch schon mal ein Yeah nach Abdrücken der Uhr über die Lippen.

Also drehe ich den Spieß um und mache mir auch mein Pendant für die langsamen Zockelrunden zurecht. Ganz recht: langsame Schuhe und sehr gern einlullende Podcasts oder Hörbücher.

Wenn man dann derart gerüstet durch die Lande zieht, wird man entweder trotzdem immer wieder schneller und muß sich ständig zügeln oder…

Die Einstellung stimmt schon mal und irgendwann werden es auch die Beine kapieren. Üben, üben, üben und Lächeln nicht vergessen.

Komm in mein Boot….

…ein Sturm kommt auf…


Sicherlich habe ich noch nicht offen im Blog erwähnt, daß ich Rammstein (die ersten Zeilen sind einem Lied von ebendieser Band entliehen) mag, sonst wären es weniger Leser. 😉

Nach einer von gar schauerlichen Träumen heimgesuchten Nacht ich habe wunderbar geschlafen, galt der Lauf heute zwei Dingen:

-testen, ob Edda nicht nur aufzeichnen, sondern auch führen kann. Ich hatte also eine virtuell geführte Tour via GPSies. Erster Test bestanden. Weitere folgen und sobald ich echten Durchblick habe, schreibe ich auch noch was dazu.

-neuen Schnickschnack ausführen:  meine neuen, griiitzelgrünen Yankz


Martin hatte mir die einmal empfohlen. Braucht sowas irgendein Mensch? Nö. Triathleten vielleicht, wenn nach dem Laufen nochmal ein Wechsel wäre. Aber ich finde sie heiß und bin gerade kurz davor, meine Laufschuhe auszuleiern, weil ich ständig rein- und rausschluppe und die Galoschen durch`s Wohnzimmer fliegen lasse, weil An- und Ausziehen ja jetzt sooo schnell gehen.

Kühl und regnerisch ist es draußen, aber darauf habe ich mich eingerichtet (Kontaktlinsen). Was ich so gar nicht auf dem Schirm hatte, war der Wind. Keine 10 Schritte und mir stehen die Tränen in den Augen. Für uns hier im rheinischen Becken ist das schon üngewöhnlich und dann habe ich Höhenschisser mir auch noch eine Zwei-Brücken-Runde ausgesucht. Es läuft sich dennoch gut, auf den Brücken hilft Schreien, um die Angst in Schach zu halten und dem Gegenwind strecke ich die Zunge raus.


Auf der anderen Rheinseite angekommen, drängt sich ein natürliches Bedürfnis  auf. Überall nur gepflegter Rasen, links Wohnhäuser, rechts der Rhein. Das kann heiter werden. Bis zum Ziel sind es noch einige Kilometer.


Es dauert nicht lange und es ist mir völlig schnuppe, wo ich mich erleichtern kann. Der nächstbeste Baum ist mein und zum Glück kreuzt in dem Moment niemand auf. Scham und Sport passen nicht wirklich gut zueinander.

Wieder auf der anderen Rheinseite, habe ich endlich Rückenwind. Gaudi pur und es fluppt! Wie, schon rum?

Die sonntägliche Brötchentüte trage ich viel eleganter als sonst zur Tür herein, kann ich doch jetzt ohne Hände, ihr wißt schon…. *Schuheschmeiß*


Marathon also

„Es wird Tage geben, an denen Du nicht glaubst, einen Marathon laufen zu können. Und es wird ein ganzes Leben vor Dir liegen, in dem Du weißt, daß Du es getan hast.“

Die Anmeldung ist raus, der Trainingsplan pappt an der Küchentür und der erste Lauf unter dem Motto „Marathon“ ist auch schon absolviert.

Köln, ich komme.

Die Zeit ist reif. Das spüre ich. Es hat mich selbstbewußter gemacht, daß ich mich Stück für Stück herangetastet habe. Auch aus den ersten schwierigen Phasen habe ich mich rausgewurschtelt und laufe immer noch.

Außerdem stimmt es mich zuversichtlich, daß ich den Trainer wieder an meiner Seite habe. Er hat mich so wunderbar auf meinen ersten Halbmarathon vorbereitet, daß ich geradezu ein Urvertrauen in ihn habe, daß er mir immer den roten Faden zeigt.

Jetzt gilt es, auch Vertrauen in mich zu haben, daß ich diesen Weg laufen gehen kann.

Drückt mir bitte die Daumen, denn eine Portion Glück gehört sicherlich auch dazu.