Archive for Dezember, 2010

steter Tropfen höhlt den Stein

„Warum läufst Du?“, wurde ich heute gefragt.

Pff…. *Blasebalg*

Die Antwort auf diese Frage ließ mich bis eben nicht mehr los. Doch auf einmal ist der Groschen gefallen. Heureka!

Laufen ist hier durchaus auch metaphorisch für Leben zu verstehen.

Es gibt glücklicherweise Menschen, für die ist Vieles einfach. Es gibt Menschen, die haben kaum Ängste, die sie hemmen. Es gibt Menschen, die sind die meiste Zeit mit sich und ihrem Leben im Reinen.  Es gibt Menschen… wie mich. Für die ist gar nichts einfach, sie haben Tag ein, Tag aus mit ihren Ängsten und Unzulänglichkeiten zu kämpfen und dadurch gerät immer wieder alles aus dem Lot.

Laufen ist für mich fortwährende Anstrengung , Überwindung, K(r)ampf; Fluch und Segen zugleich.

Immer und immer wieder muß ich mich mit mir, meinen Gedanken und meinem Körper auseinandersetzen. Das ist nicht immer schön.

Jetzt kommt das Aber.

Aber ich gewinne. Jedes einzelne Mal, wenn ich mich aufgerafft und die Schuhe geschnürt habe, gewinne ich.

Jedes Mal, wenn ich mich weiter getraut habe, gewinne ich.

Jedes Mal, wenn ich schneller laufen konnte, gewinne ich.

Jedes Mal, wenn ich hinfalle, stehe ich wieder auf und laufe verdammt nochmal weiter!

Was das in der Summe ergibt? Ich gewinne… Stärke.

Stärke gewinnen, das ist es, was das Laufen mir gibt. Ich kann 10km unter 60 Minuten laufen? Hübsche Zahl (und ich finde Zahlen sehr hübsch), aber das ist es nicht, was nach Überqueren der Ziellinie aus mir herausbricht. Eine Angst geht und eine Gewißheit kommt. Deshalb weine ich.

Schmerz ist, wenn Schwäche den Körper verläßt? Ja, es tut weh. Ich lasse Stückchen für Stückchen, wie ein Mosaik das ich nie werde fertigstellen können die Dinge hinter mir, die mich daran hindern, ich zu sein.

Manchmal dann, in seltenen Momenten wie heute, bekomme ich ganz unerwartet einen Augenblick der Schwerelosigkeit.

Es fühlt sich an, als würden all meine Zahnräder im Rhythmus surren; eines greift in das andere über wie selbstverständlich.

Selten und kostbar sind sie mir, diese Läufe. Denn sie lassen mich erahnen, wer ich bin.

Eine Idiotin, die noch bei -7° mit nackischen Waden durch die Gegend rennt.