Mai
5. Deichlauf
Posted by admin at 9:35 AM. Placed in Allgemein category
Bis 15 Minuten vor Start war ich mir ehrlich noch unschlüssig, ob ich antrete.
Ich wußte definitiv, daß ich heute keinen Blumentopf gewinnen kann, aber kann ich wirklich nur für mich, für den Spaß, für die schöne Strecke und das Erleben ansich laufen?
Bin ich nicht doch enttäuscht, wenn ich mich heute nicht verbessern kann?
Ehrlich zu sich selbst zu sein ist manchmal gar nicht so einfach.
Meine bessere Hälfte war schon um 19 Uhr dran, weil er sich spontan für den 5er umentschieden hatte und mein Lauf sollte um 20 Uhr starten. Zeit also, um vorher noch ein wenig mit den paar Pappenheimern zu quatschen, die man durch`s Laufen oder aus der Nachbarschaft kennt.
Die Startnummer hatte ich dann schon mal festgemacht und dann ging Christians Lauf los. Anfeuern, Mitfiebern und den Endspurt mitlaufen. Wie es ihm erging, werdet ihr ja an anderer Stelle bald nachlesen können.
Dann war es so weit. Der Aufruf erfolgt, sich für den 10er aufzustellen. Hemm, hemm, hemm…ach, komm. Ich laufe.
Als ich zur Aufstellung gehe, ruft mir Michael, ein Läufer, den man schon mal im Fitnesstudio antrifft, etwas zu wie: ” Mach mal ein anderes Gesicht! Du mußt den nicht laufen, Du möchtest den laufen.” Recht hat er!
Ich stelle mich brav ganz hinten an, bin allerdings sofort wieder eingeschüchtert, weil das Starterfeld recht dünn ist und sich vor mir eine Phalanx von gekinesiotapten, xbionicten, lightweightgeschnürten und gelgedopten Läufern bildet.
Waha! Die wollen alle ihr eigenes Blut lecken!
Normalerweise ist mir das relativ schnuppe, was wer trägt oder zur Leistungssteigerung meint tun zu müssen, aber so kurz vor dem Start, steigt die Panik in mir auf. Zu spät für weitere Überlegungen: der Startschuß fällt und nach 100 Metern bin ich eine der letzten 10.
Und dann war Birgit da. Birgit kam aus dem Nichts und wir hatten eine Läuferin zwischen uns, die schon nach einem Kilometer am Limit lief. Sie redete ihr gut zu, machte ihr Mut, gab ihr Tips. Da die andere Dame allerdings mit Stöpseln lief, ging Birgit irgendwann ins Gespräch mit mir über. Was für ein Segen!
Birgit ist eine Wucht und wir haben doch tatsächlich den kompletten Lauf verquatscht: mit uns, mit den Streckenposten mit den Leuten an den Verpflegungsstationen… und dennoch nach und nach ein paar andere Läufer hinter uns gelassen.
Bei km9 frage ich sie, ob sie mit mir gemeinsam ins Ziel einlaufen würde. Sie stimmt lachend zu.
Auf der Zielgeraden legen wir natürlich noch einen Tribünenschritt-Schlußspurt ein, flankiert von meinem Schatz. Wir nehmen uns an der Hand, lachen, reißen die Arme hoch und werden gemeinsam angesagt: “Birgit und Eva in 1:04:26!”
Wie bereits erwähnt: kein Blumentopf, aber ein breites Grinsen. Ich habe den Lauf wirklich genossen, Spaß gehabt und das Wichtigste ist; ich habe die Angst, die vom letzten Krepierlauf noch in mir war, abgeschüttelt.
Bestzeit, Du kannst mir den Buckel runterrutschen (dieses Mal
)!