Archive for Mai, 2010

5. Deichlauf

Bis 15 Minuten vor Start war ich mir ehrlich noch unschlüssig, ob ich antrete.

Ich wußte definitiv, daß ich heute keinen Blumentopf gewinnen kann, aber kann ich wirklich nur für mich, für den Spaß, für die schöne Strecke und das Erleben ansich laufen?

Bin ich nicht doch enttäuscht, wenn ich mich heute nicht verbessern kann?

Ehrlich zu sich selbst zu sein ist manchmal gar nicht so einfach.

Meine bessere Hälfte war schon um 19 Uhr dran, weil er sich spontan für den 5er umentschieden hatte und mein Lauf sollte um 20 Uhr starten. Zeit also, um vorher noch ein wenig mit den paar Pappenheimern zu quatschen, die man durch`s Laufen oder aus der Nachbarschaft kennt.

Die Startnummer hatte ich dann schon mal festgemacht und dann ging Christians Lauf los. Anfeuern, Mitfiebern und den Endspurt mitlaufen. Wie es ihm erging, werdet ihr ja an anderer Stelle bald nachlesen können.

Dann war es so weit. Der Aufruf erfolgt, sich für den 10er aufzustellen. Hemm, hemm, hemm…ach, komm. Ich laufe.

Als ich zur Aufstellung gehe, ruft mir Michael, ein Läufer, den man schon mal im Fitnesstudio antrifft, etwas zu wie: ” Mach mal ein anderes Gesicht! Du mußt den nicht laufen, Du möchtest den laufen.”  Recht hat er!

Ich stelle mich brav ganz hinten an, bin allerdings sofort wieder eingeschüchtert, weil das Starterfeld recht dünn ist und sich vor mir eine Phalanx von gekinesiotapten, xbionicten, lightweightgeschnürten und gelgedopten Läufern bildet.

Waha! Die wollen alle ihr eigenes Blut lecken!

Normalerweise ist mir das relativ schnuppe, was wer trägt oder zur Leistungssteigerung meint tun zu müssen, aber so kurz vor dem Start, steigt die Panik in mir auf. Zu spät für weitere Überlegungen: der Startschuß fällt und nach 100 Metern bin ich eine der letzten 10.

Und dann war Birgit da. Birgit kam aus dem Nichts und wir hatten eine Läuferin zwischen uns, die schon nach einem Kilometer am Limit lief. Sie redete ihr gut zu, machte ihr Mut, gab ihr Tips. Da die andere Dame allerdings mit Stöpseln lief, ging Birgit irgendwann ins Gespräch mit mir über. Was für ein Segen!

Birgit ist eine Wucht und wir haben doch tatsächlich den kompletten Lauf verquatscht: mit uns, mit den Streckenposten mit den Leuten an den Verpflegungsstationen… und dennoch nach und nach ein paar andere Läufer hinter uns gelassen.

Bei km9 frage ich sie, ob sie mit mir gemeinsam ins Ziel einlaufen würde. Sie stimmt lachend zu.

Auf der Zielgeraden legen wir natürlich noch einen Tribünenschritt-Schlußspurt ein, flankiert von meinem Schatz. Wir nehmen uns an der Hand, lachen, reißen die Arme hoch und werden gemeinsam angesagt: “Birgit und Eva in 1:04:26!”

Wie bereits erwähnt: kein Blumentopf, aber ein breites Grinsen. Ich habe den Lauf wirklich genossen, Spaß gehabt und das Wichtigste ist; ich habe die Angst, die vom letzten Krepierlauf noch in mir war, abgeschüttelt.

Bestzeit, Du kannst mir den Buckel runterrutschen (dieses Mal ;-) )!

“Was tun?”, sprach Laufgott

Tjoa, vom Regen in die Traufe…

Dieses Jahr wurde ich beim Routinebesuch vom Hautarzt verschont und meine Muttermale dürfen erstmal bleiben, wo sie sind.

Ich hab ja auch noch einen vom letzten Jahr gut. :-P

Dafür hat es mich dann einfach so gebeutelt und ich lag die letzten Tage flach. Juhu!

Das ist ansich ja kein Drama, aber am Freitag steht mein nächster Lauf an und ich fühle mich nicht gut vorbereitet, um es milde auszudrücken. *fiep* -zensiert- *kreisch* *tob* *motz* *maul* *heul* *stampf*

Tempo konnte ich bisher nur mäßig machen, weil mein Bauch immer noch bei geschätzt jedem dritten Lauf zickt und jetzt die vier Tage Laufpause sind zumindest mal kein Plus gewesen….

Andererseits wäre es das zweite Mal, daß ich an der gleichen Laufveranstaltung und das noch in meiner Stadt teilnehmen kann und das rennende Gemeuer (also Torsten) ist auch wieder so weit, daß er mitlaufen kann.

Also was tun?

Ich bin mir gerade echt unschlüssig und für eure Meinungen dankbar.

es grüßt das Mümmelmonster

P. S.: Danke für die lieben Genesungswünsche, ihr Knuddel. :-)

Tribünenschritt an der Mosel

Vatertag. Natürlich steht da ein gemütlicher Besuch bei den Schwiegereltern auf dem Plan. Laufen mag ich auch. Und ausnahmsweise mal ausschlafen. Das ist eigentlich schon wieder eins zu viel. Da es den ganzen Tag immer wieder regnet, würde ich spontan am liebsten das Laufen streichen.

Da wir die Eltern allerdings auf ihrem “Zweitwohnsitz” besuchen, kommt mir die Idee, daß ich mich einfach auf dem Weg von Christian löschen lassen und bis zum Campingplatz laufen könnte. Der liegt nämlich an der Mosel und da is es schön.

Gut, wenn ich nach rechts gucke, sind da direkt Straße und Bahn, aber links ist das Wasser und auf der anderen Seite die Weinhänge und die ganzen hübschen alten Fachwerkhäuschen und Kirchen und auch mal eine Burg…

Ich werde schon mehrfach mit Kommentaren bedacht, was die Wahl meiner kurzen Laufhose angeht und ziehe dann zumindest eine dünne Laufjacke über das Shirt-mir war natürlich zu warm.

Der Straßenlärm reizt mich jetzt nicht wirklich, also Stöpsel mit den beiden letzten Folgen vom Laufradio auf`s Ohr und los geht`s.

Motorradfahrer sind ja ein besonders nettes Völkchen, muß ich festestellen. Sobald mal einer mir die Hand zum sportlichen Gruße entgegenreckt, hupt gleich das ganze folgende Bataillon freudig hinterher. Die dadurch entstehenden Dezibel hätten mich beinahe in die Mosel katapultiert.

Ansonsten war`s eine wirklich nette Tour, aber mit Sonne sähe das Ganze nochmal feiner aus.

Hier mal ein verregneter Vorgeschmack auf die Gegend:

Auf dem Nachhauseweg meine ich noch, daß ich hier unbedingt mal bei schönem Wetter eine Fototour machen mag, als wir an der Matthiaskapelle vorbeifahren. ;-)

Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 100%

stranger in the dark

Gestern hatte ich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit einer langjährigen Läuferin aus der Nachbarschaft (sie ist meine Podologin-ich finde das Wort einfach zu schön) und wir kamen irgendwann auf unangenehme Situationen, die entstehen können, wenn man allein läuft.

Es ist immer wieder, gerade wenn es eine erneute Horrormeldung z.B. über eine ermordete Läuferin in der Zeitung gibt, ein Thema, wie vorsichtig man sein sollte.

Tja und wie vorsichtig genau sollte man/frau sein?

Ich bleibe beim Laufen als Beispiel, denn würde ich noch andere Lebensbereiche mit einschließen, wird das hier die unendliche Geschichte Teil 25 oder so.

Glücklicherweise zähle ich zu den Menschen, die bisher nicht allzu viele schräge, gruselige oder schlimme Erlebnisse mitgemacht haben (oder ich bewerte diese einfach weniger schwer?).

Von daher bin ich zumindest schon mal nicht “vorängstlich”.

Allerdings bin ich auch nicht naiv.

Das ergibt eine Mischung, die im Einzelnen besagt: natürlich laufe ich als Frau im Dunkeln und allein. Die Vernunft oder auch die Sorge der besseren Hälfte veranlassen mich jedoch dazu, zumindest die grob geplante Strecke anzugeben und das Handy einzustecken.

Je nach Stimmung laufe ich auch nicht in den dunkelsten oder einsamsten Ecken, ok.  Das war`s dann aber auch im Groben an Vorsichtsmaßnahmen.

Manche mögen sich darüber vielleicht die Haare raufen und sich fragen, wie ich nur derart “unbedacht” durch die Gegend rennen kann. Ich frage mich, wie man sich sein Leben derart von Ängsten und Unheilvermutungen  bestimmen lassen kann.  Ganz provokant könnte ich auch fragen, ob ein Mann sich genau so viele Gedanken macht, wie eine Frau es tun “sollte”?

Sicher, meine Meinung könnte sofort kippen, wenn mir nur mal ordentlich die Muffe geht.  Ich hoffe, daß mir das niemand wünscht, sympathisiere mit Ikarus und laufe weiter frei Schnauze.

Jetzt ihr…