Archive for Mai, 2009

Bilder vom Deichlauf

Vor dem Lauf

Neuwieder Deichlauf-mein Laufdebüt

Eigentlich wollte ich hier noch etwas darüber schreiben, wie es mir vor dem Lauf ergangen ist. Aber darüber habe ich mich bereits in den vorherigen Artikeln ausgelassen und jetzt, am Morgen nach dem Lauf, erscheint mir das auch nicht mehr wichtig. Es ging (mir) eben irgendwie (schlecht) und ich stand später am Start, also… 😉

Mein Freund setzt Torsten und mich an der Strecke ab, damit wir uns schon mal um unsere Startnummern kümmern können und sucht selbst noch nach einer Parke.

Mein erster Eindruck: „Eiderdaus, is hier viel los. Wo is `en hier jetz wad?“ Ich bin ja nicht wirklich schüchtern, also frage ich einfach mal jemanden, wo denn hier die Startnummernausgabe ist. Der schickt uns natürlich erstmal in die völlig falsche Richtung. Findet sich aber dennoch alles.

An der Ausgabe angekommen, kommt uns zufällig mein lieber marathonlaufender Nachbar (der hat mir die Flause von wegen „Wettkampf“ überhaupt erst in den Kopf gesetzt) entgegen und alles ist gut! Er nimmt uns im wörtlichen Sinne direkt ans Händchen. Sagt erst mal:“ So, unter uns Läufern duzt man sich…“ 🙂 Dank seiner Hilfe sind wir binnen Kürzestem mit allem Wichtigen versorgt. Klein-Eva versucht sich dann die Startnummer am Shirt festzumachen. Das dauert eine gefühlte Ewigkeit und ich witzele noch kurz:“ Die Hände dürfen ruhig zittern, solange die Knie tun, was ich will.“

Jetzt haben wir noch eine gute Stunde bis zum Start. Wir schlendern ein wenig rum, feuern die 5km-Läufer an, Christian (mein Freund) schießt die ersten Fotos. Vom Nachbarn hole ich mir noch ein paar Tips, lasse mich beruhigen (soweit möglich) und motivieren.

Dann ist es allmählich so weit. Wir stellen uns auf, natürlich gaaanz hinten. Sortieren uns, schauen uns um, wollen gerade noch ein wenig nach vorne gehen, weil das Feld doch noch recht weitläufig ist und „Peng“! Der Startschuß! Uffz! Und wir stehen noch. Als noch. Immer noch. Langsam kommen die Läufer direkt vor uns in Bewegung. Und wir dann mit. Und ich laufe. Ach Du Schande! Waha!!!! In dem Moment bin ich so reizüberflutet, daß ich echt keinen einzelnen Gedanken fassen und sortieren kann.

Nach ein paar hundert Metern beginnt sich das Feld auseinander zu ziehen. Torsten is weg. Ich bin „allein“. Ich merke, daß nur zwei-drei Schrittlängen hinter mir zwei Damen nebeneinander traben und sich noch unterhalten. Ratter ratter…. „Eva, Du sollst am Anfang zart machen. Nicht rennen! Bloß nicht!!“ Ok, Offensive. Ich drehe mich um und frage die beiden Frauen, was sie für eine Zeit angepeilt haben. Sie sagen mir, daß sie einfach ganz locker mitkommen wollen. Was auch immer das heißt, aber unser Tempo ist gerade sehr ähnlich und ich darf (hab höflich gefragt, ob das ok sei ;-)) mich an sie ranhängen. Das hilft mir.

Mit uns im Pulk ist noch eine andere Frau. Ich katalogisiere sie direkt als meine Altersklasse. Sie sieht ein wenig verbissen, aber nicht unsympathisch aus. Das nehme ich erstmal neutral zur Kenntnis. So tackern wir die ersten drei Kilometer durch. Bei km 3 laufe ich unten am Deich, der km 4 ist parallel dazu auf dem Deich. Da sehe ich Torsten und meinen Nachbarn schon in die andere Richtung laufen. Wir winken uns und der Nachbar ruft mir zu:“Du machst das ganz toll, Eva.“ Ich hab Pipi in den Augen. Jetzt gerade beim Schreiben schon wieder. Mmpf.

Das Mädel aus meiner Altersklasse setzt sich allmählich von uns dreien ab. Bis km 4-4,5 ca. hat sie schon einen hübschen Vorsprung von ca. 100-150m. Bei der ersten Trinkstation setze ich mich dann auch von den beiden Frauen ab, weil ich noch nichts trinken wollte und sie dafür langsamer machten. Also laufe ich auf dem Deich wieder allein. Jetzt ist das aber ok. Ich horche in mich rein, kontrolliere meine Zeit: es geht mir richtig gut.

Als ich den Deich runter schaue, kommt da ein Mann angelaufen, auch völlig allein und ich muß mir einen Moment nehmen und ihn bewundern. Es ist der spätere Sieger. Er ist gerade bei km 8 und ich bei 4. Er läuft so herrlich! Wow! Riesenschritte, alles sieht so harmonisch aus. Ein wunderschöner Anblick.

Jetzt kommt langsam wieder die Zielgerade in Blick. Ich will mich dann doch nicht vom Sieger überrunden lassen. Nein, ich bin vorher in Runde zwei! Pah! Also dosiere ich ein klitzeklein wenig mehr. 5km in 32:26. Auf der Zielgeraden nehme ich mir einen Becher Wasser(von dem Wasser kam quasi nix in meinem Mund an, aber egal), lächle in Christians Kamera, lasse mich von den Zuschauern anfeuern und merke gar nicht, daß ich an DER Frau (meine AK) vorbeiziehe. Aus dem Tumult raus besinne ich mich und mache wieder langsamer.

Tacker tacker…tacker tacker…

Irgendwo an der Strecke sehe ich nochmal Christian stehen und mich fotografieren. Neben ihm mein bester Freund Sven, der extra nach seiner Spätschicht bis 20 Uhr noch gekommen ist, um mich zu sehen, obwohl er vom Laufen ohne Ball grad mal gar nix hält. *schnief*

Christian läuft ein paar Meter neben mir her, murmelt beruhigende, motivierende Worte. Und weiter…

Bei km 8 sehe ich wieder die Vorhut auf dem Deich. *genier* In einem Anflug von…pff… reiße ich die Arme hoch und brülle Torsten und dem Nachbarn zu: „ Ich halte durch, ich komme an!“ Oder so ähnlich. *kopfkratz*

Bei der nächsten Wende hasche ich mal kurz hinter mich und sehe SIE, immer noch gut hinter mir. Vor mir ist ein älterer Herr, an den ich mich nach und nach heran taste. Km 9! Ich prüfe wieder meine Zeit, alles fein. Kurze Überlegung. Ok, ich hab noch ein klein wenig Luft übrig. Also mache ich nicht direkt schneller, aber laaaange Beine (Julia, den Gedankentip hab ich von Dir übernommen, danke dafür. :-)). Das klappt und ich ziehe ungefähr bei km 9,5 an dem Herrn vorbei. Zielgerade. Sch…der Hund drauf, ich will jetzt rennen!

Christian ist die letzten Meter neben mir und ich ziehe durch und es macht „Möp“ und ich bin da!

Meine persönliche Egopraline neben ankommen und durchhalten war natürlich, daß ich nicht Letzte meiner Altersklasse bin. *schelm*

Ich nutze dann hier den Bericht auch mal zum Danke sagen:

Ohne den Blog und die Unterstützung, die ich durch euch erfahren habe, hätte ich das gestern nicht geschafft. Ehrlich. Vielen lieben Dank dafür! 🙂

Und special-superduper-ober-mega-hyper Danke an meinen Schatz Christian, Torsten, den Nachbarn, Sven und alle, die mir gestern beim Lauf auch nur einmal zugelächelt haben!

So, jetzt habe ich also mein Couchpotatoe-Trauma überwunden. Ab jetzt wird gelaufen! *lautlach*

P.S.: Fotos folgen.

Neuwieder Deichlauf-alles richtig gemacht! :-)

Geschafft! Durchgehalten! Bestanden! Stolz! Freude! Blut geleckt! Harrrrrrr! Rest morgen. 😉

[youtube QBKL761sPgM]

 

Jetzt fall ich selig in mein Bettchen. Gute Nacht!

 

Nachtrag 04.06.2009: Jetzt hab ich mir das mit dem Video einstellen auch mal erklären lassen. Sind ja lernfähig. 😉

Ein Läufchen am Morgen…

…vertreibt Kummer und Sorgen. 😀

Gestern hatte ich geplant nochmal zu laufen vor dem Deichlauf am Freitag. Aber als ich von der Arbeit heimkam, hab ich mich einfach nicht gefühlt. Ich hab in mich reingehorcht, ob da ein versteckter Schweinehund sitzt, aber nein. Ich fühlte mich nicht danach. Das hab ich mir dann auch so eingestanden und mir gesagt: „Ok Eva, dann laß es auch. “ Stattdessen wollte ich dann heute mal einen vor-der-Arbeit-Lauf probieren.

Um 23 Uhr irgendwas bin ich dann ins Bett, doch der Schlaf blieb aus. Ich lege meinen Kopf auf mein Kissen (das heißt auf den Arm von meinem Freund ;-)) und die Denkmurmel fängt an zu rattern:

„Warum genau willst Du an einem 10km-Lauf teilnehmen? Wozu soll das gut sein? Du läufst doch gerade mal erst den zweiten Monat. Mußte das wirklich jetzt schon sein? Und wenn Du es gar nicht schaffst durchzuhalten? Und das vor Publikum?…..lalala….“ Ihr könnt euch den ganzen mit Zweifeln vollbepackten Müll vorstellen, den ich da abgespult hab.

Irgendwann hatte ich meine Begründung pro Lauf dann fertig ausformuliert: Ich laufe da mit, gerade WEIL ich so ein Geschiß drum mache. Pah!

Ich denke, es wird jedem mal so gehen, daß er zweifelt und sich selbst in Frage  stellt. Gerade gestern hatte Kai z.B. so einen „Fall“.  Es ist ein ständiges Ringen um Selbstachtung; sich selbst so wertschätzen, daß man sich fordert und sich etwas abverlangt.

Nach ungefähr 3 1/2h Schlaf, bin ich dann eben heute Morgen um kurz vor sechs losgetigert und habe eine herrliche (!) kleine Runde gedreht.  Es hat schon auch einen ganz besonderen Reiz so früh morgens zu laufen(@Torsten: Aber nicht dauerhaft! Bevor Du auf Gedanken kommst…. :-D).

Jetzt im Moment ist mein Gemüt wieder besänftigt. Wie ich mich kenne, werde ich sicherlich nochmal „einbrechen“ vor morgen, aber ich werde auch morgen am Start stehen. 🙂

Und mal nebenbei: Gestern Abend habe ich mir schon die Laufklamotten zurechtgelegt und die Schuhe in den Flur gestellt. Beim Zubettgehen bin ich dann genau über diese gestolpert. Rmpf!

Wenn man sich beim über seine Laufschuhe fallen die Haxen bricht, dann ist das….?