1. Deich-Halbmarathon Neuwied

Wo fange ich bloß an?

Halbmarathondebüt. Mal wieder ein tolles Wort für das Spiel Galgenmännchen.

Meine bessere Hälfte möchte gern über das Vorher und Nachher schreiben, also belasse ich es beim reinen Laufbericht.

Gerd und Steffen begleiten mich bei meinem ersten offiziellen Halbmarathon. Nach einem gemütlichen Spätstück machen wir uns zusammen mit unserem Groupkommando auf zum nur wenige hundert Meter entfernten Start. Ein bißchen Schwätzen da, ein bißchen Einlaufen dort.

Die Startnummer zu befestigen ist wieder eine ganz eigene Herausforderung. *schlotter*

Wenn ich auf meinen Puls sehe, kann ich nur mit den Augen rollen. Maximalpulsbestimmung, WÄHREND des Laufens? Das geht auch vorher! Einfach anmelden. Reicht.

Dann ist es endlich so weit und wir gehen in Richtung Start. In der Sekunde möchte ich gerade überall sonst sein.

Meine Begleiter murmeln beruhigend auf mich ein. Sie werden bestimmt etwas gesagt haben wie: „Locker bleiben. Nicht zu schnell starten. Lauf einfach. Wir sagen nur was, wenn Du zu schnell bist.“ , aber ich weiß es nicht mehr genau. Ich höre nur mein Blut in den Ohren rauschen.

Startschuß! Trippel, trappel, Kurve, Enge, Fuß an Fuß.

Die Kurve genommen und wir können laufen. Tempo finden, Eva! Ruhig!

Der erste Kilometer in ~6:20min. Nicht zu schnell, gut so.

Der Anfang hat schon mal ganz gut geklappt. Schneller werden kann ich immer noch.

Unser Tempo pendelt sich bei etwa 6:17-6:20 ein. Eigentlich wollte ich einen Tacken schneller laufen, aber es läuft gut so, wie es ist und ich traue mich nicht mehr. Laufen lassen….

Jetzt nehme ich allmählich meine Umgebung wahr, kann über das lachen, was die beiden Jungs an meiner Seite so von sich geben. Schnell ist klar, daß Gerd mein Ruhepol ist. Seine Schritte fallen neben meinen nicht auf, er redet ruhig, lieb, ablenkend. Steffen hingegen hüpft mal eben 21km, statt sie zu laufen.

Er springt um uns herum, macht Fotos, Videos, erzählt, lacht, quatscht mit jedem an der Strecke, fotografiert die Fotografen… Ein Energiebündel! Ich glaube, er könnte nicht mal stillstehen, wenn er es wollte.

Für mich ist das die perfekte Mischung und ich fühle mich pudelwohl zwischen den beiden. Es fängt an, Spaß zu machen. Da ein Schloß, da der Rhein, DA ein Teil meiner Hausstrecke. Ich bin zuhause; ganz bei mir.

Alle paar hundert Meter schaue ich kurz auf das Forerunnerchen, Gerd fragt: „Alles gut?“. Ich nicke.

Steffen greift sich an jeder Versorgungsstelle Wasser für mich (Nach dem ersten Verschlucken gehe ich allerdings lieber ein paar Schritte, während ich trinke.) und trägt sogar Becher ein paar km mit, um sie mir dosiert zu übergeben.

Kann man es besser haben als Debütantin?

Halbzeit nach ca. 1:06h! Läuft doch gut, wir sind gleich schon am Wendepunkt der Strecke und laufen direkt am Rhein zurück.

Meine Zeit rechne ich nur noch grob nach und als es ab km 15 allmählich anstrengend wird, blende ich sie aus.

Irgendwo zwischen km 18 und 19 habe ich einen kurzen Punkt, an dem ich denke, es geht nichts mehr; ganz plötzlich. Das verkünde ich auch laut, werde aber zweistimmig darüber aufgeklärt, daß dem nicht so ist. Ok, dann eben weiter. Die zwei wissen es sicher besser. Eigentlich wollte ich spätestens jetzt schneller machen, um noch unter 2:10h ins Ziel zu kommen, aber als ich es versuche, macht die linke Wade dicht und ich muß manchmal einige Schritte gehhinken. Oh, Himmel, kann das piesacken!

Ich weiß, daß ich ankommen werde, aber es wäre schön, wenn es jetzt vorbei sein könnte. Bitte.

Noch ein guter Kilometer und ich sehe Hannes am Straßenrand stehen. Er gesellt sich zu uns und einige herrliche Sekunden lang bin ich abgelenkt, weil wir ihm laut johlend zu seiner Fabelzeit gratulieren!

Er flankiert uns und die letzten paar hundert Meter sind nur noch ein Klacks.

Die letzte Kehre folgt und ich sehe das Ziel, strahle, beiße, ziehe an; DURCH: 2:13:20h brutto

Atmen, geschafft, toll, cool, ei, wie fein…

Ich gehe noch ein paar Schritte und mit den ersten entspannten, tiefen Atemzügen kommt es plötzlich: Beim Ausatmen wogt ein Gefühl heran… nochmal tief ausatmen…. Steffen nimmt mich gerade in die Arme, als die Dämme brechen und ich schluchze, was das Zeug hält an seiner Schulter und nicht das letzte Mal für heute.

GESCHAFFT! F***! Was? Keine Ahnung, aber ich will mehr und es fühlt sich gut an!


Lieber Gerd,

Lieber Steffen,

es macht mich glücklich und unglaublich dankbar, euch an meiner Seite gehabt zu haben!

Lieber Trainer,

yippie ya yeah, Schweinebacke! Nochmaaal!

Liebes Groupteam,

ohne euch ist grün nur grau. ♥


Und morgen, ja morgen erzähle ich euch, wie mein erster Besuch bei den Laufmonstern war….

53 Responses to “1. Deich-Halbmarathon Neuwied”

  • Evchen sagt:

    Lieber Christian,

    Du weißt, daß es für mich etwas ganz Besonderes bist, wenn Du schreibst und erst recht, wenn es zu meinem ersten HM ist.
    Der nächste Regenlauf ist für Dich; versprochen! Was ich nicht versprechen kann, ist, ob ich ihn genauso genieße wie Du es tätest. 😉 Gute Besserung und laß` es Dir gut gehen!

  • Anne sagt:

    Lieber spät als nie…..herzlichen Glückwunsch!!! Liest sich toll Dein Lauf! Vielleicht sollte ich es auch mal mit ein paar Supportern probieren 🙂 Wegen dem HM nächstes Jahr: vielleicht hast Du ja Lust im mai in Meenz mitzulaufen?! Die Stimmung ist super und soooo weit ist das ja von Neuwied nicht….

    Evchen Antwort vom Oktober 11th, 2010 17:11:

    Mainz habe ich auch schon überlegt, aber die Stimmen im Internet beschreiben den Streckenverlauf als langweilig?

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